
| Zeiten für Neuenhaus in MESZ | |
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Artikel vom 15.05.2004, letzte Änderung: 15.05.2004
Am 8. Juni 2004 findet ein sehr seltenes astronomisches Ereignis statt, das noch von keinem heute lebenden Menschen beobachtet wurde. Der Planet Venus tritt vor die Sonne und ist als dunkle Scheibe zu erkennen.
Am 8. Juni 2004 findet ein sehr seltenes astronomisches Ereignis statt, das noch von keinem heute lebenden Menschen beobachtet wurde. Der Planet Venus tritt vor die Sonne und ist als dunkle Scheibe zu erkennen. Die Besonderheit des Ereignisses liegt in dessen Seltenheit. Vor knapp 122 Jahren konnte der letzte Venustransit von der Erde beobachtet werden und der Folgende, für Europa sichtbare Transit, wird erst am 8. Dezember 2125 verfolgt werden können. Unter diesem Gesichtspunkt öffnet der Astronomische Verein der Grafschaft Bentheim e. V. die Sternwarte Neuenhaus, um interessierten Personen die Möglichkeit zu bieten, das einmalige Himmelsschauspiel näher zu erläutern und eine Beobachtung durch große Fernrohre zu ermöglichen.
Venus ist der innere Nachbarplanet in unserem Sonnensystem und wird häufig als Schwesterplanet der Erde bezeichnet. Der Vergleich lässt sich mit dem fast identischen Durchmesser beider Planeten erklären. Obwohl Venus im Mai noch als glänzender Planet am westlichen Abendhimmel nicht zu übersehen war, scheint dieser bei genauer Betrachtung eine äußerst lebensfeindliche Oberfläche zu besitzen. Die hohe durchschnittliche Oberflächentemperatur von 470° Celsius resultiert aus einem Treibhauseffekt. Raumsonden konnten den Temperaturen standhalten und auf Venus landen, aber dennoch nur für kurze Zeit Informationen zur Erde senden. Der Oberflächendruck ist höher als auf dem Grund irdischer Meere, was auch die stabilsten Konstruktionen lediglich für wenige Stunden arbeiten ließ. Auf einigen Fotografien ist zu erkennen, dass die gesamte Atmosphäre mit Wolken durchzogen ist. Im Gegensatz zur Erde regnet es nicht Wasser, sondern Säuren. Unter diesen Aspekten wird ein bemannter Flug zur Venus auch in Zukunft nicht realisiert.
Wie auch die Erde umkreist Venus die Sonne. Hierfür benötigt sie 225 Tage und ist somit schneller als unser Heimatplanet, der 365 Tage (ein Jahr) braucht. Diese Tatsache ist damit zu erklären, dass Venus innerhalb der Erdbahn läuft, wodurch sie eine höhere Geschwindigkeit erzielt sowie eine kürzere Strecke zurücklegen muss. Je nachdem, wo sich Venus auf der Bahn um die Sonne befindet, ist sie am Abendhimmel (Abendstern), Morgenhimmel (Morgenstern) oder nicht zu beobachten. Wobei die Bezeichnung Morgen- und Abendstern leicht zu Missverständnissen führen kann, da es sich bei Venus um einen Planeten handelt. Wird das Sonnensystem von oben betrachtet wäre zu erkennen, dass Venus die Erde im Laufe der Jahre immer wieder überholt.
Für einen Venustransit ist vor allem die sogenannte "untere Konjunktion" von Interesse, wo sich Venus zwischen Erde und Sonne befindet. Diese Position wird alle 584 Tage erreicht. Es stellt sich die Frage, warum zu diesem Zeitpunkt nicht regelmäßig ein Transit entsteht?
Die Erklärung liegt in der Umlaufebene beider Planeten. Grundsätzlich befinden sich alle Planeten des Sonnensystems mehr oder minder auf einer Ebene, die als Ekliptikebene bezeichnet wird. Dieses kann mit einem Planetenmodell verglichen werden, wo alle Objekte auf dem Boden platziert sind und sich ebenfalls in einer "Höhe" befinden. In der Natur sind diese Bahnen leicht gegeneinander verschoben. Zwischen der Venus- und Erdbahn beläuft sich diese Neigung auf 3,4°. Dieses hat zur Folge, dass Venus in der unteren Konjunktion bis zu 9° nördlich oder südlich der Sonnenscheibe stehen kann. Zu diesem Zeitpunkt steht Venus somit zwischen Erde und Sonne aber nicht auf einer Ebene. Sie steht ober- oder unterhalb der Sonnenscheibe und bleibt unsichtbar. Nur wenn Venus zwischen Erde und Sonne steht und parallel alle drei Himmelskörper sich in einer Ebene befinden, entsteht ein Venustransit. Bei genauer Betrachtung kann ein Transit auch als Sonnenfinsternis bezeichnet werden. Im Gegensatz zur Erdmond ist die scheinbare Größe der Venus aber sehr gering, so dass ein Helligkeitsabfall lediglich mit wissenschaftlichen Instrumenten festzustellen ist.
Das Wichtigste ist der Schutz der Augen. Niemals darf die Sonne ungeschützt beobachtet werden, da dieses zur Erblindung führen kann (auch bei Beobachtungen mit dem bloßem Auge). Besonders bei der Beobachtung mit Ferngläsern und Teleskopen ist größte Vorsicht geboten und der Einsatz spezieller Sonnenfilter oder Projektionsmethoden notwendig!
Venus kann bereits ohne optische Hilfsmittel vor der Sonnenscheibe identifiziert werden, so dass die Verwendung einer Sonnenfinsternisbrille die einfachste Beobachtungsmöglichkeit darstellt. Vor der Nutzung sollte diese unbedingt überprüft werden! Unter Umständen können parallel zum Transit Sonnenflecken ausgemacht werden, wobei es sich um "kühlere" Regionen auf der Sonne handelt. Im Durchschnitt beträgt die Temperatur 6.000° Celsius auf der Oberfläche. Treten Magnetfelder aus der Sonne hervor sinkt die Temperatur um knapp 1.000° Celsius und entsprechende Bereiche erscheinen dunkel. Hierbei handelt es sich aber lediglich um ein optisches Phänomen. Der dunkle Sonnenfleck an das nächtliche Firmament gesetzt, würde uns so hell wie die Sonne erscheinen. Mit etwas Glück wandert das Venusscheibchen direkt an einem Sonnenfleck vorbei. Neben einem interessanten Anblick, würde in diesem Fall die Scheibe der Venus tief dunkel erscheinen und der zuvor noch dunkle Sonnenfleck scheinbar an Helligkeit gewinnen. Ein interessantes Beispiel für die Arbeitsweise unserer Augen.
Sofern das Wetter in der Grafschaft Bentheim mitspielt kann der Venustransit in seiner vollen Länge beobachtet werden. Bereits um 07:20 Uhr tritt Venus vor die Sonnenscheibe. Wer nicht früh aufstehen möchte, hat den gesamten Vormittag Zeit, bis das Planetenscheibchen gegen 13:20 Uhr die Sonnenscheibe verlässt. Somit beläuft sich die Länge des Venustransits auf 6 Stunden, was genügend Zeit zur Beobachtung und Fotografie (in beiden Fällen Sonnenfilter!) bietet.
Das seltene Himmelsschauspiel wird auch zu einem gemeinsamen Projekt der KGS Neuenhaus und dem Astronomischen Verein der Grafschaft Bentheim e. V. genutzt. Den Schülern wird über dem gesamten Vormittag die Möglichkeit geboten sich näher mit dem Ereignis zu beschäftigen. An Stellwänden wird neben der Entstehung des Transits auch viel Wissenswertes über die Sonne, unser Sonnensystem und die Funktionsweise von Fernrohren geboten. Parallel stehen insgesamt vier Teleskope unter fachkundiger Anleitung zur praktischen Sonnenbeobachtung für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung.
In diesem Zusammenhang sind weitere Schulen recht herzlich dazu eingeladen, sich näher beim Astronomischen Verein über das Ereignis und Beobachtungsmöglichkeiten zu informieren. Die Kooperation mit Schulen aus der Region ist vorrangiges Ziel des Astronomischen Vereins der Grafschaft Bentheim e. V.
Wer das einmalige Himmelsschauspiel in Ruhe genießen möchte, hat am 8. Juni zwischen 08:00 Uhr und 13:00 Uhr hierzu die Möglichkeit in der Sternwarte Neuenhaus (Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e. V. / über der Samtgemeindebücherei). Neben einer Vielzahl Fernrohren, wird auch ein spezielles Instrument zur Beobachtung von Explosionen auf der Sonne vorhanden sein. In fortlaufenden Vorträgen wird der Venustransit auf einfache Art und Weise erläutert und unter fachkundiger Anleitung von Vereinsmitgliedern kann die Sonne gefahrlos beobachtet werden. Der Eintritt ist kostenlos, so dass sich auch ein kurzer Besuch lohnt. Auch bei schlechtem Wetter werden die Rundführungen durchgeführt. Informationen zur Veranstaltung sind wie immer unter der Telefonnummer 05941/990904, E-Mail: "info@avgb.de" in Erfahrung zu bringen.
Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins.
Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.
| E-Mail: | c.lohuis@avgb.de |
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