Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Der Sternenhimmel im April

Was ist im Februar am Abend- und Nachthimmel zu sehen? In diesem Artikel stellen wir Ihnen die derzeit sichtbaren Sternbilder und Objekte vor.

Sternenhimmel

Die Wintersternbilder verabschieden sich langsam aber sicher von der nächtlichen Szenerie und überlassen den Frühlingssternbildern das Schauspiel am Firmament.

Einen markanten Vertreter stellt hierbei das Sternbild Löwe dar, welcher derzeit in den Abendstunden den Meridian überschreitet. Mit diesem Fachbegriff bezeichnen Astronomen eine gedachte Linie vom Südpunkt des Horizonts über den Kopf des Beobachters hinweg zum Nordhorizont. Diese Linie teilt den Himmel in einen östlichen und westlichen Bereich. Im Meridian erreichen Sterne, Sternbilder und weitere astronomische Objekte ihre höchste Position. Speziell Letztere können zu diesem Zeitpunkt besonders gut beobachtet werden.

Die charakteristische Figur des Löwen wird durch zwei helle Sterne markiert. Der Hauptstern trägt den Namen Regulus, was soviel wie Kleiner Löwe bedeutet. Er ist als heller Stern "in der Brust" des Löwen auszumachen. Der Stern Denebola bildet die östliche Grenze dieser Konstellation. Der Löwe ist eines der wenigen Sternbilder, dessen Erscheinungsbild tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Namen aufweist.

Ein vielen vom Namen bekanntes Frühlingssternbild ist die Jungfrau - beobachtet haben es hingegen die Wenigsten. Diese Tatsache ist ein Resultat einer unscheinbaren Konstellation lichtschwacher Sterne sowie einer horizontnahen Lage. Diese Eigenschaften gestalten das Auffinden nicht unbedingt einfacher. Lediglich der Hauptstern Spica stellt mit seiner auffälligen Helligkeit eine Orientierungshilfe dar. Im südlichen Bereich des Firmamentes ist Spica der hellste Stern und somit leicht zu identifizieren. Um das gesamte Sternbild der Jungfrau zu erkennen, bedarf es Übung und vor allem einen dunklen Himmel.

Neben Regulus und Spica fehlt noch Arktur im Sternbild des Bootes, um das Frühlingsdreieck zu komplettieren. Dieses Sternbild besitzt Ähnlichkeit mit einem Kinderdrachen oder einer Eistüte und ist relativ einfach in Richtung des Südosthorizontes zu finden. Werden die drei genannten Sterne mit einer gedachten Linie verbunden, ergibt sich die geometrische Figur eines Dreiecks. Dieses erstreckt sich über den gesamten Himmel, der in südlicher Richtung beobachtet werden kann.

Nächtliche Blicke in die Vergangenheit

Objekte in unserer Milchstraße wie Sternhaufen oder galaktische Nebel sind in diesen Monaten knapp bemessen. Auf der anderen Seite sind eine Vielzahl ferner Sternsysteme zu beobachten, die in der Fachsprache den Namen Galaxien tragen. Sie erlauben einen unglaublich tiefen Blick in das Universum.

Leider benötigt der Beobachter für diese Art von Objekten häufig lichtstarke Fernrohre, denn die Helligkeit von Galaxien fallen, wegen ihrer großen Entfernung, bescheiden aus. Aber auch große Fernohre zeigen die meisten Galaxien nur als ein mattes, milchiges "Wölkchen". Erst mit speziellen fotografischen Verfahren wird die Vielfalt und die differenzierte Strukturierung sichtbar.

Auf den ersten Blick stellt sich die berechtigte Frage, worin der Anreiz solch "langweiliger" Objekte eigentlich liegen soll. Die Vorstellung, dass es sich um Ansammlungen von Milliarden von Sternen handelt, die sich in einer unvorstellbaren Entfernung befinden, macht diese Art der Beobachtung faszinierend. Der Beobachter blickt tatsächlich in die Tiefen unseres Universums.

Aus dieser Tatsache ergibt sich ein interessanter Aspekt, den man sich bei der Beobachtung vergegenwärtigen sollte. Astronomen verwenden für Distanzen im Universum den Begriff Lichtjahr. Hierbei handelt es sich um eine definiert Strecke, welche das Licht in einem Jahr zurücklegt - das sind unvorstellbare 9,4 Billionen Kilometer. Zum besseren Verständnis kann diese Zahl auf eine Lichtsekunde reduziert werden.

Hierbei legt das Licht immer noch 300.000 Kilometer zurück, das ist 7,5 mal um die Erde oder fast die Entfernung zum Mond. Die beschrieben Entfernungen weisen solche Größen auf, dass das Licht viele Millionen, teilweise Milliarden Jahre benötigt, um uns zu erreichen. Fällt das Licht dieser Sternenansammlungen bei abendlichen Beobachtungen in unsere Augen, blicken wir weit in die Vergangenheit zurück.

Himmelskarte
Himmelskarte mit den im Artikel beschriebenen Objekten
Bild: © Lars Naber, Auf Distanz, Nutzung mit freundlicher Genehmigung
Melotte 111
Melotte 111 ist ein offener Sternhaufen im Sternbild "Haar der Berenike". Er ist bereits mit dem bloßem Auge zu sehen.
Bild: © NASA
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

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