Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Der Sternenhimmel im August

Was ist im Februar am Abend- und Nachthimmel zu sehen? In diesem Artikel stellen wir Ihnen die derzeit sichtbaren Sternbilder und Objekte vor.

Sternenhimmel

Die Dämmerung setzt deutlich früher ein, es wird wieder richtig dunkel und die nächtliche Beobachtungszeit verlängert sich merklich. Gleichzeitig stehen alle interessanten Objekte dieser Jahreszeit hoch am Firmament, was gute Beobachtungsbedingungen gewährleistet. Was den geneigten Sommerliebhaber bereits an nächstes Jahr denken oder einen Spätsommertrip in warme Gefilden planen lässt, sind beste Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen im Sommer.

Während einer längeren, geselligen Grillfeier präsentiert sich langsam das gestirnte Firmament. Unter dem freien Himmel wird die Milchstraße sichtbar und mit etwas Glück lassen sich Sternschnuppen erhaschen. Auch astronomische Laien geraten ins Staunen über die Schönheit und die Faszination, welche der Sternenhimmel ausübt. Als "Sternenkieker", wie die Mitarbeiter der Sternwarte Neuenhaus häufig von Grafschaftern bezeichnet werden, wird man in solchen Situationen häufig gefragt, wie eine Orientierung unter den vielen Punkten überhaupt möglich sei. Die Antwort ist leicht: Man braucht Übung und es hilft, wenn man weiß, mit welchen Sternbilder man beim Erlernen beginnen sollte.

Derzeit ist in diesem Zusammenhang das Sommerdreieck - bestehend aus den Sternen Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler - zu nennen. Dieses steht direkt über dem Kopf des Beobachters und lässt sich einfach identifizieren. Darüber hinaus sind es diese drei Sterne, welche nach Einbruch der Dämmerung als erstes am nächtlichen Firmament funkeln. Vom Namen bekannt, doch schwer aufzufinden, sind hingegen die horizontnahen Konstellationen Skorpion, Schütze und Steinbock. Obwohl speziell diese Region faszinierende Objekte beherbergt, ist eine Nacht mit guten Bedingungen zur erfolgreichen Beobachtung erforderlich. Beobachter in Städten und auch Dörfern werden die erwähnten Sternbilder unter Umständen durch das Vorhandensein von Häusern überhaupt nicht sehen können.

In diesem Monat soll das Hauptaugenmerk auf dem Sternschnuppenstrom der Perseiden liegen. Von einem "Strom" sprechen Astronomen beim gehäuften Auftreten von Sternschnuppen. Doch was ist eigentlich eine Sternschnuppe? In den Niederlanden werden Meteore, so der Fachausdruck für Sternschnuppen, umgangssprachlich als "fallende ster" (fallender Stern) bezeichnet. Diese bildliche und schöne Umschreibung kommt der visuellen Beobachtung sehr nah. Doch fallen in Wirklichkeit keine Sterne vom Himmel.

Das gesamte Sonnensystem ist durchzogen von kleinen und kleinsten Partikeln. Einige besitzen den Durchmesser eines Fußballs, andere sind nur Bruchteile eines Millimeters groß. Diese kleinen Fragmente bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit durch den Weltraum. Es werden Geschwindigkeiten bis zu 75 km/s erreicht - ein solches Fragment würde weniger als drei Sekunden für die Distanz Grafschaft Bentheim - Nordsee benötigen. Auch kleine Partikel erzeugen bei diesen Geschwindigkeiten große Energien. Treffen sie auf die Erdatmosphäre, entsteht Reibung. Was sich kompliziert anhört, ist leicht zu überprüfen. Wird die eigene Hand schnell über einen Teppich gerieben, wird diese ebenfalls heiß. Das gleiche Prinzip findet sich bei der Entstehung von Sternschnuppen wieder. Neben der Reibung, wodurch sich die Partikel meistens auflösen, kommt es zur Ionisation der umgebenden Atmosphäre. Hierbei wird die Luft in der Nähe einer Sternschnuppe zum Leuchten angeregt. Das Leuchten beobachten wir als Sternschnuppe. Bei größeren Bruchstücken kommt es zum Nachglühen entlang der Flugbahn. Mit Glück ist die Flugspur für mehrere Sekunden zu sehen. Auch wenn sich dieser Vorgang unromantisch anhört, lohnt es sich diese Augustnächte mit dem Partner seiner Wahl, einer guten Flasche Rotwein sowie einem Blick zum Firmament verbringen.

Es stellt sich die Frage, aus welchem Grund zu bestimmten Zeitpunkten gehäuft Sternschnuppen auftreten. Die Erklärung bieten Kometen. Bildlich gesprochen handelt es sich bei Kometen um große, dreckige Schneebälle. Wenn sich diese vom Rand des Sonnensystems zur Sonne bewegen, hinterlassen sie auf ihrer Flugbahn eine "Dreckschneise". Diese besteht aus Eis, Gestein, Gasen und geringen Mengen Metall. Verläuft die Bahn der Erde durch diese Schneise, sind Sternschnuppen gehäuft sichtbar. Bedingt durch die Tatsache, dass die Erde ein Jahr benötig, um die Sonne zu umkreisen, gelangt unser Heimatplanet jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt in die Nähe dieser "Dreckschneise". In den Nächten um den 11. August bewegt sich die Erde durch eine solche "Dreckspur", wobei das Maximum in diesem Jahr in der Nacht vom 12. auf den 13. August zu erwarten ist. Der Verursacher ist der Komet 109 P/Swift-Tuttle. Die Rückstände des Kometen sind Grund für die vielen Sternschnuppen. Ein weiterer Aspekt bei der Beobachtung von Sternschnuppenströmen ist Tatsache, dass die Stelle des Himmels bekannt ist, an der die Sternschnuppen auftreten. Normalerweise treffen die schnellen Besucher aus dem Weltraum unsere Erde von allen Seiten. Mit geringer Geschwindigkeit, wenn sie die Erde von "hinten" einholen müssen und mit voller Wucht, wenn es zu einem Frontalzusammenstoß kommt.

Bei Sternschnuppenströmen ist der Bereich relativ genau bekannt, an dem Meteore sichtbar werden - dieser wird als Radiant bezeichnet. Alle Sternschnuppen scheinen diesem Punkt zu entspringen. Bahnschienen können zum besseren Verständnis dienen, um das Phänomen zu erklären. Schienen verlaufen naturgemäß immer parallel, doch scheinen sie sich in der Ferne zu vereinigen und in Richtung eines Punktes zu zulaufen. Das Prinzip lässt sich auf den Radianten übertragen. Auch Sternschnuppen treffen über ein großes Feld verteilt auf die Erdatmosphäre, doch aus optischen Gründen scheinen sie lediglich einem Punkt zu entspringen. Ähnliches kann beobachtet werden, wenn man mit einem Auto im Winter durch ein Schneegestöber fährt. Obwohl die Schneeflocken von oben nach unten fallen, scheinen sie einem Punkt aus der Fahrtrichtung zu entspringen. Sternschnuppenströme werden nach dem Sternbild bezeichnet, in dem sich der Radiant befindet. Im Fall der Perseiden liegt dieser im Sternbild Perseus, daher der Name. Zur Orientierung am Himmel sollte die Aufmerksamkeit bei der Beobachtung in der Region zwischen dem Sternbild Perseus und Kassiopeia liegen.

Im Volksmund werden die Perseiden auch als Laurentiustränen bezeichnet, nach dem Märtyrer Laurentius (gestorben 258 n. Chr.). Die Anzahl der zu beobachtenden Sternschnuppen, die sogenannte Fallrate, ist schwer zu bestimmen. Pro Stunde sollten bei den Perseiden 60 - 100 Meteore zu erkennen sein, wobei es aber zu großen Abweichungen kommt. Die genannte Zahl ist nur unter besten Beobachtungsvoraussetzungen realistisch. Durchschnittlich sollten 20 - 40 Meteore sichtbar sein - inklusive lichtschwacher Kandidaten. Bei nicht optimalen Bedingungen kann diese Zahl nochmals geringer ausfallen.

Himmelskarte
Himmelskarte mit den im Artikel beschriebenen Objekten
Bild: © Lars Naber, Auf Distanz, Nutzung mit freundlicher Genehmigung
Heller Meteor
Heller Meteor der Perseiden, der am 13.08.2007 um 22:39 Uhr MESZ, von der Station Wettzell des DLR beobachtet wurde.
Bild: © DLR
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

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