Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Der Sternenhimmel im Dezember

Was ist im Dezember am Abend- und Nachthimmel zu sehen? In diesem Artikel stellen wir Ihnen die derzeit sichtbaren Sternbilder und Objekte vor.

Sternenhimmel

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, wodurch sich auch der Kreis von Sternbildern schließt. In den letzten zwölf Monaten konnten alle Sternbilder und Sterne des nächtlichen Himmel beobachtet werden, die von unseren Breiten aus sichtbar sind. Tief im Nordwesten können noch Deneb im Schwan und Wega in der Leier erkannt werden, die an warme Sommernächte erinnern. Zur Beobachtungszeit von 22:00 Uhr MEZ haben die Herbststernbilder ebenfalls den Meridian durchschritten und verlagern ihre Position deutlich in westliche Gefilde. Neben dem großen Herbstviereck, kann das Sternbild Andromeda leicht im Zenit ausgemacht werden. Als Zenit bezeichnet der Astronom den Punkt, der sich direkt über dem Beobachter befindet.

Wie in den letzten Monaten beschrieben, kann die Andromedagalaxie bereits ohne optische Hilfsmittel identifiziert werden. Eine faszinierende Vorstellung das dieses Objekt 2,3 Millionen Lichtjahre entfernt ist und trotzdem als unser "Nachbar" bezeichnet wird. Ein Lichtjahr entspricht der unglaublichen Distanz von 9,48 Billionen Kilometer! Im Osten sind bereits alle Wintersternbilder aufgegangen und kündigen die kalte Jahreszeit an. Das markanteste Sternbild, der Jäger Orion, ist mit etwas Übung leicht zu erkennen.

Unterhalb der drei Gürtelsterne kann ein kleines, mattes "Wölkchen" erahnt werden. Es handelt sich hierbei um den Großen Orionnebel (M42), ein Sternentstehungsgebiet. Auf irdische Maßstäbe übertragen könnten wir auch von einem Kreisssaal des Universums sprechen. Direkt im Zenit, zwischen den Sternbildern Kassiopeia und Perseus, ist der doppelte Sternhaufen "h und Chi" zu beobachten. Schon in kleinen Fernrohren ist er ein Paradeobjekt. Bei längerer Beobachtung fällt ein dezenter Farbunterschied der beiden Haufen auf, der aus unterschiedlichen Sternfarben resultiert.

Im folgendem soll eine Thematik angesprochen werden, die besonders zur Weihnachtszeit immer wieder aktuell wird. Gab es den Stern von Bethlehem? Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es für diese Erscheinung unterschiedliche Theorien.

Ein Meteor, also eine Sternschnuppe, scheidet bedingt durch ihr kurzes Auftreten aus. Wer die Leoniden oder Perseiden in diesem Jahr beobachten konnte, wird diese Aussage bestätigen können. Häufig wird ein Komet mit der Erscheinung des Sterns von Bethlehem in Verbindung gebracht, wie zum Beispiel "Hale-Bopp". Leider ist bis heute keine Aufzeichnung einer solchen Himmelserscheinung zwischen den Jahren 15 v. Chr. und 15. n. Chr. bekannt.

Weil besonders zu dieser Zeit der nächtliche Himmel sehr akribisch beobachtet wurde, wird ein Komet wahrscheinlich nicht in Frage kommen. Auch eine Supernovaexplosion wird diskutiert. Hierbei handelt es sich um die Explosion eines Sternes, der unter Umständen am Tag beobachtet werden kann. Die Überreste einer solchen Sternexplosion sind bereits in einem kleinen Teleskop zu beobachten. Im Sommer habe ich in diesem Zusammenhang das Objekt M27, den Hantelnebel, erwähnt. Im Winter ist M1 (Krabbennebel) ein schönes Objekt.

Die plausibelste Theorie ist eine Konjunktion (anscheinendes Zusammentreffen) von Jupiter und Saturn. Im Jahre 7 v. Chr. gab es diesbezüglich noch eine Besonderheit. Beide Planeten entfernten sich dreimal etwas voneinander und bewegten sich danach wieder aufeinander zu. Im darauf folgenden Jahr gesellte sich sogar noch der Mars hinzu. Dieses besondere Zusammentreffen von Planeten kann mit einem "Planetariumsprogramm" am Computer simuliert werden.

Himmelskarte
Himmelskarte mit den im Artikel beschriebenen Objekten
Bild: © Lars Naber, Auf Distanz, Nutzung mit freundlicher Genehmigung
Orionnebel M42
Der so genannte "Orionnebel" M42 ist ca. 1.350 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er kann bereits mit dem bloßen Auge gesehen werden und ist auch in kleinen Teleskopen ein interessantes Objekt.
Bild: © NASA / ESA / M. Robberto (STScI / ESA) / Hubble Space Telescope Orion Treasury Project Team
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

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