Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Der Sternenhimmel im Juli

Was ist im Februar am Abend- und Nachthimmel zu sehen? In diesem Artikel stellen wir Ihnen die derzeit sichtbaren Sternbilder und Objekte vor.

Sternenhimmel

Obwohl die Dämmerung im Monat Juli spät einsetzt, und es astronomisch gesehen nicht dunkel wird, bietet der sommerliche Sternenhimmel einen faszinierenden Anblick mit einer Reihe von interessanten Beobachtungsmöglichkeiten. Besonders an milden Sommerabenden sehen viele zum ersten Mal bewusst den gestirnten Himmel und sind überrascht, was das Firmament alles zu bieten hat.

Während einer längeren Grillparty in den folgenden Wochen kann besonders am Nordhorizont das Dilemma der Astronomen in den Sommermonaten beobachtet werden. Es wird einfach nicht dunkel! Die ganze Nacht über kann in nördliche Richtung ein Dämmerungsschein ausgemacht werden, was die Beobachtungsqualität deutlich herabsetzt.

Wer sich im Urlaub die Zeit nehmen möchte, bis Mitternacht wach zu bleiben wird überrascht sein, was mit etwas Aufmerksamkeit am Himmel zu sehen ist. In den nächsten Wochen steht besonders unsere eigene Galaxie, die Milchstraße, im Vordergrund. Sie erstreckt sich vom Sternbild Perseus im Norden über den Zenit hinweg zum Sternbild Schützen im Süden. Als Zenit wird der Punkt definiert der sich direkt über dem Beobachter befindet.

Die Milchstraße teilt den nächtlichen Himmel aktuell in eine westliche und östliche Hemisphäre. Besonders auf dem Lande, fernab jeglicher Lichtquelle, stellt die Milchstraße ein interessantes Beobachtungsobjekt dar. Mit einem kleinen Fernrohr oder Fernglas kann das "milchige" Band in eine Vielzahl Sterne aufgelöst werden. Die Milchstraße hat nach wissenschaftlichen Berechnungen ca. 100.000.000.000 Sterne (100 Milliarden).

Wenden wir uns den Sternen und Sternbildern zu. Die in den letzten Monatsberichten angesprochenen Frühlingssternbilder haben sich weit in die westliche Hemisphäre verschoben und bereiten sich auf ihren Untergang vor. Regulus, der Hauptstern des Löwen, hat sich bereits von der nächtlichen Szenerie verabschiedet und ist am Himmel nicht mehr auszumachen.

Im Süden befinden sich derzeit die Sommersternbilder, die das sogenannte Sommerdreieck bilden. Dieses wird durch die Sterne Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler gebildet und ist leicht zu identifizieren. Neben der einprägsamen Figur des Sommerdreiecks gehören die erwähnten Sterne mit zu den hellsten am sommerlichem Himmel, was dessen Auffinden erleichtert.

Für Teleskopbesitzer eröffnen sich am sommerlichen Sternenhimmel eine Reihe von interessanten Beobachtungsmöglichkeiten. Zu Beginn sollen Doppel- und Mehrfachsternensysteme vorgestellt werden, von denen an dieser Stelle "Beta Cygni" (Albireo) und "Epsilon Lyrae" skizziert werden. Lassen Sie sich nicht von den schweren Namen entmutigen.

Mit bloßem Auge sind Doppelsterne in der Regel als ein Stern zu erkennen. Der Grund ist einfach. Die beiden Komponenten stehen sehr eng zusammen. Unser Auge ist nicht in der Lage beide Sterne getrennt darzustellen. Der bekannteste Vertreter der Doppel- und Mehrfachsterne ist Mizar mit seinem Partner Alkor, die den mittleren Deichselstern im Großen markieren. Mizar und Alkor können ohne optische Hilfsmittel getrennt werden, ein seltener Fall. Wird ein Teleskop auf das markante Sternenpaar gerichtet, wird ein weiterer Stern sichtbar. Es handelt sich nicht um einen Doppelstern, sondern um ein Mehrfachsystem. Ein weiterer interessanter Doppelsternkandidat ist Albireo, der Kopfstern des Schwan. Mit bloßem Auge ist an dieser Stelle lediglich ein Stern zu sehen sein. Beim Blick durchs Teleskop entpuppt sich Albireo als Doppelstern. Eine Besonderheit ist zu beobachten. Im Teleskop, auch schon bei geringer Vergrößerung, werden unterschiedliche Farbkomponenten der beiden Sterne auffallen.

Die Farbe eines Sternes steht in Abhängigkeit zu seiner Oberflächentemperatur. Dieses Phänomen kann auch bei einer Kerzenflamme beobachten werden. Das Innere der Flamme ist heißer und erscheint weiß/bläulich, die äußeren, "kühleren" Bereiche hingegen gelblich. Albireo lässt sich in eine orange und bläuliche Komponente auflösen. Welcher Stern von beiden heißer ist, kann unter diesem Gesichtspunkt mit einer Kerzenflamme erklärt werden. "Epsilon Lyrae" ist ebenfalls mit bloßem Auge im Sternbild Leier zu erkennen. In einem Fernrohr werden an dieser Stelle gleich mehrere Sterne aufgelöst, da es sich ebenfalls um ein Mehrfachsystem handelt. Zum Schluss sei noch erwähnt, das in der Astronomie zwischen optischen und physikalischen Sternensystemen unterschieden wird. Bei physikalischen Systemen handelt es sich um Sterne die in einem tatsächlichen räumlichen Bezug stehen. Optische Doppelsterne stehen hingegen nur rein zufällig in einer Sichtlinie.

M57, der Ringnebel in der Leier ist ebenfalls ein sehr lohnenswertes Objekt für kleine Fernrohre. Das "M" in der Bezeichnung "M57" steht für einen französischen Astronomen namens Charles Messier, der im 18. Jahrhundert 110 Objekte katalogisierte. In der modernen Astronomie besitzt der Messierkatalog keine Bedeutung mehr. In der Amateurastronomie sind die Messiernummern hingegen noch sehr verbreitet, weil viele Objekte relativ einfach zu beobachten sind und prädestinierte Objekte für Einsteiger darstellen. Beim Ringnebel handelt es sich um einen sogenannten Planetarischen Nebel. Obwohl es der Name vermuten lassen würde, haben diese Objekte nichts mit Planeten im Sinn. Allein ihr Aussehen in kleineren Teleskopen hat ihnen diesen Namen verliehen. Planetarische Nebel entstehen wenn ein Stern zum Ende seines Lebens die äußeren Hüllen in den Weltraum abgibt. Die energiereiche ultraviolette Strahlung des Sterns regt die Gase zum Selbstleuchten an.

Himmelskarte
Himmelskarte mit den im Artikel beschriebenen Objekten
Bild: © Lars Naber, Auf Distanz, Nutzung mit freundlicher Genehmigung
Mizar und Alkor im Großen Wagen
In dieser Aufnahme des Großen Wagens ist das Doppelstern-System Mizar und Alkor mit einem Pfeil gekennzeichnet.
Bild: © Public Domain
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de