Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Totale Sonnenfinsternis am 11.08.1999: Ausblick

Artikel vom 01.08.1999

Wissenswertes rund um die Sonnenfinsternis am 11.08.1999

Wir schreiben den 19. August des Jahres 1887. Ein riesiger Schatten, welcher den Tag zur Nacht machte, legt sich über die Städte Leipzig, Magdeburg, Berlin und Frankfurt. Menschen und Tiere brechen in Panik aus, denn fast niemand von ihnen kann dieses Phänomen erklären. Viele denken an die Apokalypse, das Ende der Welt oder an eine bis dato nicht dagewesene Naturkatastrophe.

Da es die Erde und uns Menschen immer noch gibt, gehen wir einmal davon aus, dass die Menscheit noch einmal verschont wurde. Heute wissen wir es sogar genau, was an diesem ominösen 19. August im letzten Jahrhundert geschah. Unser Erdmond trat genau zu diesem Zeitpunkt zwischen die Erde und dem Zentralgestirn unseres Sonnensystems, der Sonne. Die Folge einer solchen Konstellation ist eine totale Sonnenfinsternis, welche sich auch am 11. August diesen Jahres wiederholen wird. Viele von Ihnen werden schon von dieser Finsternis gehört oder gelesen haben und sich fragen, wie es zu solch einem Himmelsschauspiel kommt und noch viel wichtiger, wo und wie dieses beobachtet werden kann.

Die Begriffsdefinition der Jahrhundertfinsternis ist mit Sicherheit etwas hoch gegriffen, denn die Totalitätsdauer, also die Zeit, in der die Sonne völlig abgedunkelt wird, ist mit ca. 2,5 Minuten relativ kurz. Das besondere an dieser totalen Sonnenfinsternis ist die Tatsache, dass der Kernschatten des Mondes erstmals seit 112 Jahren wieder Teile Deutschlands überqueren wird und so auch von unseren Gefilden beobachtet werden kann. Eine Jahrhundertfinsternis ist es wohl eher, weil die kommende Sonnenfinsternis wahrscheinlich die best beobachteteste in der Geschichte der Menscheit sein wird, da diese ansonsten meist irgendwo über dem Ozean oder in fernen Kontinenten, die schlecht zugänglich sind, beobachtet werden können.

Doch jetzt zur Frage nach der Entstehung einer solchen Sonnenfinsternis. Früher glaubten die Menschen, ein großer Drache würde die Sonne verschlingen und wenige Minuten später wieder ausspucken. Mit viel Lärm mußte der Drache so erschreckt werden, dass dieser die Sonne nach kurzer Zeit wieder frei gab. Trotz des großen Erfolges der Menscheit über den Drachen, wurde diese Idee der Entstehung einer Sonnenfinsternis bald revidiert. Schon früh viel den Astronomen auf, dass der Mond bei keiner Sonnenfinsternis am Firmament stand und man schloß daraus scharfsinig, dass dieser irgendwie seine Finger mit im Spiel haben müsse. Heute wissen wir, dass sich der Mond innerhalb von 29 Tagen einmal um die Erde dreht.

Jeder kann sich nun leicht vorstellen, dass es einmal in diesem Zeitraum zu der Konstellation kommen muß, dass Sonne, Mond und Erde auf einer Linie stehen (siehe Grafik). Zu diesem Zeitpunkt haben wir Neumond und unser Erdtrabant kann tatsächlich nicht von der Erde aus gesehen werden, da er, wie auf der Grafik ersichtlich, von hinten angestrahlt wird und der Erde die unbeleuchtete Seite zuwendet. So gesehen, müßte es bei jedem Neumond, also alle 29 Tage, zu solch einer Sonnenfinsternis kommen. Doch ganz so einfach macht es uns die Natur auch nicht. Hinzu kommt, dass der Mond die Erde in einer Schräglage umrundet was zur Folge hat, dass er entweder über oder unter der gedachten Linie Erde - Sonne wandert und so nicht am Himmel zu sehen ist. Nur dann, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde steht und zusätzlich die gleiche Ebene (Höhe) einnimmt, kann der Mond seinen Schatten auf die Erde werfen: Es kommt zu einer Sonnenfinsternis. Zu solch einer Stellung kommt es im Jahr etwa ein- bis zweimal, doch fast kein Bürger in Mitteleuropa hat ein solches Schauspiel schon einmal live beobachtet. Der Grund hierfür ist ebenfalls aus der Grafik ersichtlich. Vom Schatten des Mondes erreicht uns nur eine sehr kleine Spitze mit einem Durchmesser von ca. 100 km. Nur wer sich in diesem Bereich befindet, kann die totale Finsternis verfolgen. U. a. verläuft in diesem Jahr der Kernschatten auch durch Süddeutschland und erstmals seit 112 Jahren kann wieder eine totale Sonnenfinsternis aus Deutschland beobachtet werden.

Wer nun denkt: "Naja, warten wir einfach auf die nächste", muß schon sehr alt werden oder von dieser Idee Abstand nehmen. Erst am 3. September des Jahres 2081 wird ein solches Ereignis wieder aus unseren Gefilden zu beobachten sein. Für die Beobachter, die sich nun nördlich oder südlich des Kernschatten aufhalten, wird eine partielle (teilweise) Sonnenfinsternis zu sehen sein. Der Bedeckungsgrad der Sonne, also der Teil welcher durch den Mond abgedeckt wird, liegt in der Grafschaft Bentheim bei ca. 92 Prozent. Mit Sicherheit schon ein interessanter Anblick.

Wer aber die Einmaligkeit der Totalität beobachten möchte, kann die Orte auf den nebenstehenden Karten ablesen. (Für eine detaillierte Darstellung klicken Sie bitte auf die Karten.)

Nun stellt sich noch die Frage, wie unser kleiner Erdmond die Sonne mit einem Durchmesser von 1,3 Millionen Kilometer überhaupt abdecken kann. Hierzu ist etwas Interessantes zu erzählen. Die Sonne ist, wie die meisten wohl wissen, um ein Vielfaches größer als der Mond und zwar genau 400 mal. Der Mond ist der Erde aber auch 400 mal näher als die Sonne was zur Folge hat, dass beide Gestirne gleich groß am Firmament erscheinen. Alles klar. Diesem Umstand verdankt es also die Menschheit, hin und wieder dieses einmalige Himmelsschauspiel beobachten zu können und über die Fazination der Natur zu staunen.

Nun wissen Sie, wie eine totale Sonnenfinsternis entsteht und wo diese zu beobachten sein wird. Ein wichtiger Punkt ist aber auch die Art der Beobachtung, also wie man eine Sonnenfinsternis beobachten soll und darf, denn die Beobachtung besonders mit optischen Hilfsmitteln (z. B. Fotoapparat, Fernglas, Fernrohr etc.) ist nicht ganz ungefährlich. Wie Sie aus Erfahrung wissen werden, ist es schon mit dem bloßem Auge fast unmöglich, in die Sonne zu sehen, da dieses unter Umständen sogar Schmerzen mit sich ziehen kann. Schaut der Beobachter längere Zeit in die Sonne, kann dieses sogar zu Schädigungen des Auges führen oder im negativsten Fall zur Erblindung. Häufig werden in diesem Zusammenhang einige Hilfsmittel angesprochen, die als guter Tip von "Laien" empfohlen werden. Hierzu gehören z. B. geschwärzte Glasscheiben, ein belichteter Negativfilm und andere Utensilien. Es stimmt, dass auch mit diesen Hilfsmitteln die Leuchtstärke der Sonne herabgesetzt wird und der Beobachter ohne grelles Sonnenlicht diese beobachten kann. Die Problematik hierbei liegt aber darin, dass die Sonne nicht nur Licht aussendet, sondern u. a. auch UV-Strahlung, die vielen von Ihnen schon einen gemeinen Sonnenbrand verschafft hat. Diese Strahlungsart wird von den oben aufgelisteten Hilfsmitteln nicht aufgehalten und gelangt ohne weiteres ins Auge. Das gefährliche ist nun der Umstand, das die menschliche Netzhaut schmerzunempfindlich ist und es so im Laufe, auch schon innerhalb von kürzester Zeit, zu Schädigungen oder zur Erblindung kommen kann, ohne dass der Beobachter vorher etwas gemerkt hat. Für die Beobachtung mit dem bloßem Auge, wie es die meisten von Ihnen wahrscheinlich versuchen werden, gibt es spezielle Sonnenfinsternisbrillen, die das Licht der Sonne um den Faktor 100.000 verringern und jegliche gefährliche Strahlung abhalten (man beachte aber trotzdem die Beschreibungen zur Beobachtung auf der Brille, u. U. müssen auch hierbei in bestimmten Zeitabständen Beobachtungspausen eingehalten werden). Solche Brillen sind z. B. in Fachgeschäften oder beim Optiker für ca. 3 bis 10 ¤ zu erwerben und bieten für ein paar Markt einen hohen Grad an Schutz.

Bei der Beobachtung mit Ferngläsern und Teleskopen, sowie bei der Fotografie sind nochmals erhöhte Sicherungsmechanismen einzubauen, da bei diesen Beobachtungsmittel das Licht zusätzlich noch gebündelt wird und dieses ein Vielfaches der eigentlichen Lichtkonzentation mit sich führt. Ein Blick ohne Schutzmaßnahmen durch ein Fernglas, Teleskop oder Fotoapparat würde innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zur Erblindung führen.

Wer nun noch weitere Fragen zur kommenden Sonnenfinsternis hat, kann den Astronomischen Verein der Grafschaft Bentheim e. V. (AVGB) unter der Telefonnummer 05941/990904 oder per E-Mail unter info@avgb.de erreichen. In den kommenden Wochen wird unser Verein unter anderem noch Informationsabende zum Thema Sonnenfinsternis und Astronomie im ev. Gemeindehaus am Markt in Nordhorn veranstalten, die selbstverständlich kostenlos sein werden, bei denen Sie sich noch tiefgehender über dieses Ereignis informieren können. Die dafür vorgesehenden Termine werden in Kürze in den Grafschafter Nachrichten publiziert werden.

Totale Sonnenfinsternis mit Korona
Totale Sonnenfinsternis mit Korona
Bild: © NASA
Entstehung einer Sonnenfinsternis
Entstehung einer Sonnenfinsternis
Finsternisverlauf Europa
Finsternisverlauf Europa
Finsternisverlauf Deutschland
Finsternisverlauf Deutschland
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de