Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Wenn sich der Mond verfinstert

Artikel vom 24.07.2018

Finsternisse haben die Menschen schon immer in ihren Bann gezogen und sind auch in unserer modernen Zeit ein faszinierendes Himmelsschauspiel. Nach langer Zeit kann in den Abendstunden des 27. Juli wieder eine totale Mondfinsternis von der Grafschaft Bentheim aus beobachtet werden.

Der Mond hat eine besondere Ausstrahlung auf die Menschen. Besonders der Vollmond wirkt majestätisch, wenn er den nächtlichen Himmel dominiert. Dieser Reiz wird nochmals erhöht, wenn sich der Mond während einer Finsternis verdunkelt. Obgleich des faszinierenden Anblicks einer Mondfinsternis ist dessen Entstehung leicht zu erklären. Die Berechnung von Mondfinsternissen war bereits in der Antike möglich und heute bestimmen Astronomen den Beginn sowie das Ende auf Bruchteile einer Sekunde genau. Die Positionen von Sonne, Erde und Mond spielen bei der Entstehung die entscheidende Rolle. Die Erde umkreist mit dem Mond die Sonne, wobei der Erdtrabant wiederum die Erde umrundet. Für eine Mondfinsternis muss sich die Erde direkt zwischen Sonne und Mond befinden, wobei letzterer in den Erdschatten eintaucht und kein Licht von der Sonne erhält. Das Resultat ist eine Verfinsterung des Mondes. In der beschriebenen Konstellation von Sonne, Erde und Mond befindet sich der Mond in seiner Vollmondstellung. Nur während eines Vollmondes kann eine Mondfinsternis entstehen. Niemals kann sich der Halbmond oder die Mondsichel verfinstern. Da der Mond etwa einen Monat benötigt, um die Erde zu umkreisen, wird häufig die Frage gestellt, aus welchem Grund nicht zu jedem Vollmondtermin eine Mondfinsternis zu beobachten ist. Die Erklärung, Erde und Mond befinden sich nicht in der identischen Ebene oder anders ausgedrückt, meistens läuft der Mond ober- oder unterhalb des Erdschattens vorbei und wird nicht verfinstert.
Wie beschrieben, konnten die Menschen in der Antike bereits Mondfinsternisse vorhersagen. Parallel nutzen sie dieses Ereignis, um die Kugelform der Erde zu beweisen. Diese Tatsache beschrieb schon Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Chr. Während der Finsternis kann der Erdschatten auf der Mondoberfläche beobachtet werden. Wer genau hinsieht, erkennt, dass der Schatten eine dezent rundliche Form besitzt.

Die kommende Mondfinsternis ist nicht in ihrer vollen Länge zu beobachten, da der Mond bereits verfinstert aufgeht. Der Mondaufgang erfolgt etwa gegen 21.15Uhr, wobei die Sichtbarkeit natürlich vom Horizontblick abhängt und sich entsprechend deutlich verschieben kann. Das der Mond verfinstert aufgeht, besitzt aber auch einen besonderen Reiz, da dieser dann majestätisch über der Landschaft steht. Meistens zeigt sich der Erdtrabant in einem rötlich, braunen Farbton. Der Grund ist in der irdischen Atmosphäre zu finden. Auf der Tagseite trifft das Sonnenlicht auf die Atmosphäre der Erde. Ein Teil des Lichtes wird absorbiert, ein anderer gestreut. Der rote Anteil des Lichtes kann zum Teil die Erdatmosphäre verlassen und wird wieder abgegeben. Dieses Licht kann den Mond erreichen, wodurch dieser entsprechend in einem rötlich, braunen Farbton erscheint. Ist die Atmosphäre stark verschmutzt, zum Beispiel während eines großen Vulkanausbruches, wird ein größerer Teil des Lichtes absorbiert, was die Finsternis dunklerer erscheinen lässt. Um 23.14Uhr endet die Totalität und die partielle Phase beginnt, das heißt, der Mond verlässt den Kernschatten der Erde und wird nur noch zum Teil verfinstert. Diese Phase endet um 0.19Uhr. Die gesamte Finsternis, es gibt auch noch eine Halbschattenphase, die aber äußerst schwierig zu beobachten ist, endet um 1.30Uhr. Auch wenn wir uns nichts dafür kaufen können, die kommende Mondfinsternis ist die längste im 21. Jahrhundert und wir dürfen diese hoffentlich erleben.

teilweise verfinsterter Mond
Teilweise verfinsterter Mond bei der Mondfinsternis am 15.06.2011
Bild: © Christoph Lohuis
Mondfinsternis
Mondfinsternis
Bild: © Christoph Lohuis
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

Der AVGB bei Facebook Der AVGB bei Twitter

Verwandte Artikel auf unseren Seiten

Himmelsmechanik und hochsommerliche Stimmung in perfekter Symbiose
(Artikel vom 06.08.2018)

Dreierlei vom Vollmond
(Artikel vom 29.01.2018)

Wenn sich der Mond verfinstert - Totale Mondfinsternis
(Artikel vom 21.09.2015)

Themenabend zur Mondfinsternis am 15.06.2011
(Artikel vom 14.06.2011)