Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

3. "Praktischer astronomischer Samstag" (PaS) - Rückblick

Artikel vom 24.04.2005

Rückblick auf den "3. Praktischen astronomischen Samstag (PaS)" mit Bildern und kurzen Beschreibungen der Vorträge

Eine kurze Einleitung

Der Astronomische Verein der Grafschaft Bentheim e. V. hat mit der Sternwarte Neuenhaus eine Anlaufstelle für Amateurastronomen, und an der Astronomie interessierte Personen, im westlichen Niedersachsen geschaffen. Besonders in den letzten zwei Jahren stand die Intensivierung der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit im Mittelpunkt, so dass im Jahr 2004 über 1.000 Besucher an Rundführungen, Seminaren und speziellen Programmen teilnahmen. In diesem Kontext lag ein weiterer Schwerpunkt in der Kooperation mit Schulen, Kindergärten und Jugendherbergen.

Parallel wurde das Angebot für ambitionierte Amateurastronomie ausgebaut. In Kooperation mit NightSky e. V. war ein weiterer Schritt in diese Richtung der Praktische astronomische Samstag - PaS. Der Ursprung ist in einem kleinen, lockeren Zusammentreffen regionaler Amateure zu sehen. Durch die Einzigartigkeit einer fachlichen Veranstaltung dieser Art in der Region, stieg die Teilnehmerzahl permanent.

Ab 2004 wurde der PaS strukturiert und zu einer öffentlichen Veranstaltung ausgedehnt. Dennoch steht immer noch ein familiärer Charakter sowie eine gemütliche Atmosphäre im Vordergrund. Am 16. April 2005 konnte der PaS bereits zum dritten Mal durchgeführt werden. Der Einladung folgten über den gesamten Tag mehr als 50 Amateurastronomen von Bremen bis zum Köln-Bonner-Raum. Für die Veranstalter ein großer Erfolg.

Die Veranstaltung

Erste Mitglieder und Referenten trafen sich bereits am frühen Morgen, um den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück zu beginnen. Ab 12:30 Uhr trafen die ersten Gäste ein, wobei sich schnell ein reger Austauschvon Erfahrungen und Ergebnissen entwickelte. Um 13:00 Uhr eröffneten Jürgen Morawietz, der als Moderator durch den Tag führte, Christoph Lohuis (1. Vorsitzender / Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e. V.) und Thorsten Lohuis (1. Vorsitzender / NightSky e. V.) die Veranstaltung.

Im ersten Vortrag "Astrofotografie ohne Nachführung" präsentierte Günter Snyders (Nordhorn) Fotografien die keine teure Ausrüstung bedürfen. Neben einem Diavortrag zeigte der Referent die dafür benötigten Instrumente. Was das Publikum besonders honorierte, war die Tatsache, dass es keine Hochglanzbilder zu sehen gab, sondern erste Bilder des Referenten sowie dessen fotografische Entwicklung.

Im Anschluss stand bei Christoph Jansen (Bad Zwischenahn) der Planet Mars im Mittelpunkt. In seinem kompetenten und interessanten Vortrag zur "Klimageschichte des Mars", dokumentierte er neben der Vergangenheit auch die Gegenwart und Zukunft unseres äußeren Nachbarplaneten. Der aktuelle Forschungsstand, bezüglich der Suche nach Wasser auf dem Roten Planeten, durfte in diesem Rahmen natürlich nicht fehlen. Die vorgetragenen Fakten und viele, neue Informationen hatten eine angeregte Diskussion zur Folge.

Als dritter Referent nahm Christoph Lohuis (Neuenhaus) in seinem Vortrag "Das Auge, Teleskop und Objekt" die Zuhörer mit in die praktische Astronomie. Wie arbeitet das menschliche Auge, und welchen Bezug hat dieses zur alltäglichen Beobachtungspraxis, waren die Schwerpunkte. Indirektes Sehen, Auflösung und die Wahrnehmung von Objekten erläuterte der Referent. Speziell das Erkennen von Farben an astronomischen Objekten, mit der Präsentation von Ergebnissen eines kleinen Versuches/Umfrage, hatte ebenfalls eine spannende Diskussion als Resultat.

Im Anschluss folgte eine längere Pause, die, wie sollte es anders sein, zum Erfahrungsaustausch diente. Die Besucher honorierten besonders das Angebot, für einmalige 3 Euro den gesamten Tag Kaffee und Tee sowie vom Buffet Kuchen, Schnittchen und Baguette zu essen. Von diesem Angebot wurde reichlich Gebrauch gemacht.

Gegen 16:15 Uhr nahm Christoph Lohuis die visuelle Beobachtung mit dem Projekt "Das Zeichnen der Messierobjekte" wieder auf. Die Idee des Projektes ist die zeichnerische Darstellung aller Messierobjekte, unter dem Gesichtspunkt der Auswirkung von differenzierten Optiken und Beobachtungsbedingungen. Neben der Dokumentation der Ergebnisse ist die Publikation im Rahmen eines Buches geplant. Die kritische Auswahl von Zeichnungen soll die Darstellung eines Objektes, unter den erwähnten Gesichtspunkten, im Teleskop zeigen. Vor allem für Einsteiger ein interessanter Aspekt. Konzeptionell sind weitere praxisbezogene Themen wie "Farbsehen" und "Die Auswirkung von Obstruktion" geplant. Die Problematik bei Zeichnungen ist in der Subjektivität des Einzelnen zu sehen. Neben der individuellen Wahrnehmung des Objektes, muss auch die zeichnerische Umsetzung Erwähnung finden. Diesbezüglich folgte ein kleiner Workshop, indem 31 Gäste M33 (als Projektion) zeichneten. Das identische Objekt, bei identischen Bedingungen wurde 31 Mal unterschiedlich gezeichnet. Mit Interesse wurden die Unterschiede diskutiert. Alle Zeichnungen werden in naher Zukunft publiziert.

Als Gast konnte auch Rolf Klemme (Nordhorn) begrüßt werden, der vielen Amateurastronomen ein Begriff ist. In einer halbstündigen Präsentation erläuterte Rolf anschaulich und humorvoll die Entwicklung und Möglichkeiten der GiRo-Montierung. Als Anschauungsmaterial dienten zwei unterschiedliche GiRo-Montierungen, die mit differenzierten Optiken bestückt waren. Beeindruckt waren die Gäste von der leichten, azimutalen Handhabung eines C11 auf der Montierung. Nach einer kleinen praktischen Vorführung sowie weiteren interessanten Informationen, folgte das Thema Lichtverschmutzung. Diesbezüglich wurden diverse Collagen zusammengestellt, welche die Thematik eindrucksvoll aufarbeiteten.

Jürgen Morawietz nahm sich dem Thema ebenfalls an. Wie kann die Lichtverschmutzung mit einer Toilettenpapierrolle bestimmt und die Ergebnisse zusammengetragen werden? Diese doch recht unkonventionelle Fragestellung stieß auf großes Interesse und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Ideen, Probleme und Erfahrungen zum Thematik Lichtverschmutzung sowie die Durchführung des Projektes. Die Ideen wurden gesammelt und werden auf dem ATT sowie der Internetseite "www.radioastronomie.de" weiter ausgebaut.

Von 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr folgte eine Abendpause. Auch hier stand der Austausch wieder im Mittelpunkt. Ein Experiment zur Auflösung von Teleskopen stieß auf kontroverse Aussagen. Es wurde ein 6 Zoll Newton mit 33% Obstruktion verwendet. Die Fragestellung lautete, wie verhält sich zum Einen die Bildhelligkeit und zum Anderen das Auflösungsvermögen mit steigender Obstruktion? Hierfür wurden "Scheiben" mit 50%, 66% und 80% Obstruktion verwendet. Das Ergebnis wird später publiziert. Weiterhin entwickelte sich ein spontaner Workshop zum Thema "Registax".

Albert van Duin, ein niederländischer Besucher des PaS, präsentierte eigene Ergebnisse und die Funktionsweise von Registax. Bedingt durch das große Interesse, wurde Albert kurzerhand gebeten einen kleinen Vortrag zum Thema zu halten. Spontan, humorvoll und kompetent zeigte Albert die Möglichkeiten der Bildverarbeitung. An zwei Beispielen (Jupiter und Saturn) demonstrierte der Referent wie aus dem Rohmaterial, innerhalb weniger Minuten, eine Fotografie entsteht, die sich auch vor sehr guten Bildern nicht zu verstecken braucht. Es sei bereits darauf verwiesen, dass Albert im nächsten Jahr einen "regulären" Vortrag hält.

Auch Rüdiger Maaß (Borken) nahm das Thema digitale Fotografie auf. Anhand von Webcams und digitalen Kameras demonstrierte Rüdiger die aktuellen Möglichkeiten der Fotografie. Zu diesem Zeitpunkt musste Günter Snyders immer wieder aufgemuntert werden, der zu Beginn des PaS Planetenbilder mit chemischen Film zeigte ;-). Im Rahmen von Alberts und Rüdigers Vortrag kam immer wieder die Diskussion auf, wie viel Bildverarbeitung ist erlaubt. Beispiele, dass die Encke-Teilung nur Artefakte der Bildverarbeitung sind, zeigen diese Problematik eindrucksvoll. Ein ganz anderes Thema nahm Thorsten Lohuis (Neuenhaus) auf. Wie im letzten Jahr griff er mythologische Aspekte auf. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der Mythologie der Sonne. Die Thematik wurde im Rahmen einer kurzweiligen Geschichte erläutert, so dass Besucher einfach mal die Gedanken "schweifen" lassen konnten.

Im letzten Vortrag des Tages referierte Jürgen Morawietz über die Radioastronomie. Der Mitarbeiter von ASTRON und Leiter der NightSky-Themengruppe "Radioastronomie" dokumentierte für Jeden anschaulich, wie das wahrscheinlich größte Radioteleskop der Welt entsteht. Viele waren überrascht, dass dieses in den Niederlanden und Teilen Norddeutschlands entsteht.

Ausklang und Ausblick

Nach über acht Stunden Astronomie pur, endete der 3. PaS gegen 21:30 Uhr. Einige Gäste, Referenten und Mitglieder ließen den Tag noch bei dem einen oder anderen Bier ausklingen und diskutierten bereits über die folgende Veranstaltung. Die steigende Zahl von Besuchern und das abwechslungsreiche Programm charakterisierten die positive Entwicklung des Praktischen astronomischen Samstages.

Als Termin für den 4. PaS wurde Samstag, der 22. April 2006 festgelegt. Erste Vorbereitungen laufen bereits. Gerne nehmen die Veranstalter Vorträge entgegen. Als Kontaktperson dient Christoph Lohuis unter der E-Mail "Lohuis@T-Online.de".

Experiment zur Obstruktion von Teleskopen
Experiment zur Obstruktion von Teleskopen
Christoph Lohuis
Christoph Lohuis beim Vortrag zum Auge
Thorsten Lohuis
Thorsten Lohuis beim Vortrag über die Mytholgie der Sonne
Workshop "Subjektivität bei Zeichnungen"
Workshop "Subjektivität bei Zeichnungen"
Lockerer Erfahrungsaustausch
Lockerer Erfahrungsaustausch auf der Beobachtungsterrasse
gut besuchte Küche
Bei freiem Kaffee und Tee wurde es in der Küche teilweise sehr eng.
Christoph Lohuis beim Vortrag "Das Zeichnen der Messierobjekte".
Christoph Lohuis beim Vortrag "Das Zeichnen der Messierobjekte".
Günter Snyders
Günter Snyders beim Vortrag zur Astrofotografie
Beschilderung
Die ausgeklügelte Beschilderung durfte nicht fehlen ;-).
Jürgen Morawietz
Jürgen Morawietz beim Vortrag zum LOFAR-Projekt
Alber van Duin
Alber van Duin zum "Kurzworkshop" Registrax
Rüdiger Maaß
Rüdiger Maaß beim Vortrag zur digitalen Fotografie
Gespräche in den Pausen
Pausen wurden zum intensiven Austausch von Ergebnissen genutzt.
Rolf Klemme und die GiRo-Montierung
Rolf Klemme und die GiRo-Montierung
Christoph Jansen
"Die Klimageschichte des Mars" von Christoph Jansen
Vortragsraum
Impression aus dem Vortragsraum
Workshop "Zeichnen"
Workshop "Zeichnen"
Buffet
Auch das Buffet wurde reichlich genutzt.