Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

4. "Praktischer astronomischer Samstag" (PaS) - Rückblick

Artikel vom 03.05.2006

Rückblick auf den "4. Praktischen astronomischen Samstag (PaS)" am 22.04.2006 mit Bildern und kurzen Beschreibungen der Vorträge

Mit 51 Besuchern war der Vortragsraum der Sternwarte Neuenhaus im Rahmen des 4. Praktischen astronomischen Samstages zeitweise voll besetzt. Die ansprechende Besucherzahl sowie ein abwechslungsreiches und qualitativ hochwertiges Vortragsprogramm dokumentieren die positive Entwicklung. Gäste fanden wieder von Bremen/Oldenburg über Hannover bis zum Kölner Raum den Weg nach Neuenhaus. Aus einem Astrostammtisch von Mitgliedern des Astronomischen Vereins der Grafschaft Bentheim e. V. und NightSky e. V. entstanden hat sich die Veranstaltung spätestens in diesem Jahr als Fachtagung für Amateurastronomen etabliert. Die Vorträge deckten mit Themen aus der "Profiastronomie", praktischen Amateurarbeit sowie aktuellen Projekten ein breites Spektrum ab. Vom ambitionierten Einsteiger bis zum renommierten Amateurastronomen konnten die Veranstalter wieder Referenten gewinnen.

Um 13:30 Uhr begrüßte Thorsten Lohuis, der auf kurzweilige Art und Weise durch den Tag führte, die zahlreichen Besucher. Das Vortragsprogramm eröffnete Christoph Jansen zum Thema "SOFIA". Das Gemeinschaftsprojekt von ESA und NASA zum Bau eines Infrarotteleskops wurde technisch erläutert sowie mit interessanten Informationen zur Entwicklung und der dort zu erwartenden Schwierigkeiten ergänzt. Einsatzmöglichkeiten und Perspektiven des Instrumentes rundeten den gelungenen Einblick zum Projekt "SOFIA" ab.

Christoph Lohuis und Frank Hauswald stellten das ehrgeizige Projekt "Das Zeichnen der Messierobjekte" vor. Nach der Initiierung vor 9 Jahren unterlag das Projekt 2004 einer Neukonzeption und wurde im Anschluss einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Ziel ist die zeichnerische Dokumentation aller Messierobjekte zu definierten Parametern hinsichtlich Teleskopöffnung und Beobachtungsbedingungen. Eine kritische Auswahl der Ergebnisse (in Form eines Buches) soll dem Interessierten auf einen Blick visuell vermitteln, wie sich exemplarisch M42 im 6 Zöller unter Alpenhimmel und mit einem 12 Zöller unter Großstadthimmel darstellt.

Dann widmete sich Jürgen Morawietz (ASTRON) der Radioastronomie. Nach einer kurzen Einführung lag der Schwerpunkt auf dem "Gesang der Sterne". Der Referent stellte unterschiedlichste radioastronomische Beobachtungen (Meteore, Hintergrundstrahlung, Pulsare, u.W.) akustisch vor und erläuterte die Phänomene. Einblicke in amateurastro-nomische Aktivitäten der Radioastronomie sowie zukünftige Projektausblicke schlossen den Vortrag.

In der folgenden Pause zeigte sich der nicht kommerzielle Charakter der Veranstaltung, denn im Eintrittspreis von 5 Euro waren Kaffee und Tee frei sowie ein reichhaltiges Angebot von Kuchen, Frikadellen und Schnittchen enthalten. Hiervon machten die Besucher und Referenten reichlich Gebrauch. Parallel entwickelte sich ein emsiger Erfahrungsaustausch. Besucher stellten mitgebrachte Ergebnisse und Instrumente vor, über die intensiv "gefachsimpelt" wurde. Arno Hesse gab auf der Beobachtungsterrasse der Sternwarte Auskünfte über die Beobachtung der Sonne im Weißlicht sowie H-Alpha. Im aufgebauten PST und durch Wolkenlücken konnte eine beeindruckende Protuberanz beobachtet werden.

Gegen 16:00 Uhr nahm "Willi" Wacker die Zuhörer mit auf seinen Werdegang zu den "Punkten!?". In einem eindrucksvollen und amüsanten Vortrag mit vielen Bildern zu seinen kreativen, astronomischen Ideen und dessen Umsetzungen erklärte Willi die Funktionsweise manch einer, auf den ersten Blick nicht direkt zu erkennenden Baumaßnahme. Auch das "berühmte" Kettenkarussell fehlte in diesem Zusammenhang nicht. Lachen, Staunen und Applaus wechselten sich während der Präsentation beim Publikum ab.

Frank Hauswald referierte über den Foucaulttest, so dass alle Anhänger des ATM auf ihre Kosten kamen. Der Referent baut derzeit eine eigene Sternwarte, Montierung sowie Teleskop mit 16" Eigenschliffspiegel. Anschaulich und lehrreich wurde die sich hinter dem Test stehende Geschichte, Funktionsweise sowie Durchführung aufgearbeitet. Durch eine sehr anschauliche und kompetente Darstellung, war der Vortrag für beginnende Selbstbauer eine große Hilfe.

Rolf Klemme berichtete in bekannt faszinierender Art und Weise über die totale Sonnenfinsternis am 29. März. Im ersten Abschnitt standen Impressionen und Gefühle der beteiligten Personen im Vordergrund. Im zweiten Abschnitt wurden Fotografien unterschiedlicher Amateurastronomen sowie ein Video von Martin Sümnik gezeigt und auf Phänomene des Ereignisses hingewiesen. Der Vortrag fesselte sowohl die SoFi-Glücklichen als auch die "Partiell-Beobachter".

Neben Erläuterungen zur Sonnenbeobachtung während der Pausen zeigte Arno Hesse in seinem Vortrag Wissenswertes zur Beobachtung im Weißlicht und H-Alpha. Neben der technischen Umsetzung sowie der Veranschaulichung der entsprechenden Phänomene, standen Dokumentationsverfahren im Mittelpunkt. Arno gab einen lehrreichen Überblick zum Gebiet der Sonnenbeobachtung und der Zuhörer merkte, wie diese Thematik den Referenten fesselt.

Nach einer zweiten Pause zum weiteren Erfahrungsaustausch und zur Stärkung zeigte Thorsten Lohuis die Welt der Sterne aus einer anderen Perspektive. Im Vortrag "Die Spinnen die Römer" ging der Referent auf mythologische Aspekte der Astronomie ein. Wie im letzten Jahr war die Präsentation eine gelungene Abwechslung zur "technischen Astronomie". Thorsten stellte im Anschluss noch sein Projekt "pimp my dobson" vor. Hierbei wurden "konservative" und primär außergewöhnliche Instrumente präsentiert. Von den bekannten Riesendobson, über Legodobson bis zu Konstruktionen aus leeren Dosen wurden Umsetzungen dokumentiert.

Joachim Lindner nahm die Besucher mit auf eine Reise durch das Universum und führte dem Publikum anschaulich die Entfernungen im Kosmos vor Augen. Interessanterweise wurden an entsprechender Stelle, die für Amateurastronomen relevanten Objekte skizziert und Wissenswertes erläutert. Der Zuhörer erhielt eine räumliche Orientierung der Objekte, die immer wieder im Teleskop anzutreffen sind.

Den letzten Vortrag des Tages führte Albert van Duin aus den Niederlanden durch. Über das gewinnen eines niederländischen Amateurastronomen freuten sich die Veranstalter besonders. Albert präsentierte die Funktionsweise einer Audine-Kamera und wie mit dieser adäquates Rohmaterial erstellt wird. Parallel gab es Erläuterungen mit welchen Mitteln direkt bei der Fotografie sowie im Anschluss, bei der digitalen Bildbearbeitung, das Bestmögliche aus dem Rohmaterial gewonnen werden kann. Eindrucksvolle Ergebnisse rundeten seine Präsentation ab.

Nach Beendigung des Programms verweilten noch viele Amateurastronomen zum weiteren Austausch von Erfahrungen. Auch eine Diskussion um Astronomie in der Schule stand hierbei im Mittelpunkt. Wie können Amateurastronomen dazu beitragen, dass astronomische Sachverhalte in den Unterricht eingebunden und umgesetzt werden. In diesem Kontext wurden erste überregionale Kontakte und Kooperationen geknüpft. Auf dem 5. PaS wird es diesbezüglich einen Vortrag und/oder Workshop geben, der Amateurastronomen (ohne didaktische Vorkenntnisse) Mittel an die Hand gibt, sich diesbezüglich zu engagieren.

Erst gegen 21:30 Uhr neigte sich der 4. PaS seinem Ende zu, wobei Mitglieder des Astronomischen Vereins der Grafschaft Bentheim e. V. und NightSky e. V. sowie Helfer und Freunde noch bis tief in die Nacht in der Sternwarte Neuenhaus die Veranstaltung ausklingen ließen. Die erfreulichen Besucherzahlen sowie die positiven Rückmeldungen der Besucher zeigen, dass sich der Praktische astronomische Samstag als Fachtagung etabliert hat. Positiv wurde auch die Struktur des PaS bewertet, welche dermaßen konzipiert ist, dass Besucher während der Veranstaltung die Möglichkeit erhalten, sich intensiv mit den Referenten auszutauschen. Aus dieser Überlegung resultieren in den Pausen häufig spontane Workshops.

Im nächsten Jahr wird darauf geachtet, dass es keine Überschneidung mit dem AFT geben wird, so dass es Interessierten ermöglicht wird, beide Veranstaltungen zu besuchen. Der 5. PaS wird am Samstag, den 21. April 2007 wieder in der Sternwarte Neuenhaus stattfinden. Referenten oder Personen die einen Workshop durchführen möchten, sind bereits an dieser Stelle eingeladen, sich an Christoph Lohuis unter "Lohuis@T-Online.de" oder Telefon 05941/990904 zu melden.

Thorsten Lohuis
Eröffnung des 4. PaS durch Thorsten Lohuis
Vortragssaal
Bereits während der Eröffnung war der Vortragssaal gut besetzt.
Christoph Jansen
Christoph Jansen erläuterte in seinem Vortrag "SOFIA" Technik und Funktion des Infrarotteleskops.
Frank Hauswald und Christoph Lohuis
Stets auf der Suche nach Zeichnungen - Frank Hauswald und Christoph Lohuis referierten über ihr Buchprojekt "Das Zeichnen der Messierobjekte".
Jürgen Morawietz
"Der Gesang der Sterne" war Thema des Vortrages von Jürgen Morawietz.
Essende Menschen
Für das leibliche Wohl der Gäste war gesorgt.
Willi Wacker
Willi Wacker bei seinem lebhaften und amüsanten Werdegang zu seinen Punkten
Christoph Lohuis
"Sehen sie Farben?" fragte Christoph Lohuis. Astronomie zwischen Subjektivität und physikalischen Formeln...
Frank Hauswald.
Der perfekt geschliffene Spiegel war Thema des Vortrages "Der Focaulttest" von Frank Hauswald.
Rolf Klemme
Rolf Klemme brachte mit seinem Vortrag über die Sonnenfinsternis vom 29. März 2006 mit Bildern und einem Video die Stimmung aus der Türkei in den Vortragssaal.
Arno Hesse
Arno Hesse zeigte Hilfsmittel zur Sonnenbeobachtung als Einleitung zu seinem Vortrag "Die Sonnenbeobachung im Weißlicht und H-Alpha".
Thorsten Lohuis
"Die spinnen, die Götter" war das Thema im amüsanten Vortrag von Thorsten Lohuis.
Workshop zur digitalen Bildbearbeitung
In der zweiten Pause entstand spontan ein Workshop zur digitalen Bildbearbeitung.
Joachim Lindner
Über die Entfernungen von Objekten in unserem Universum berichtete Joachim Lindner.
Albert van Duin
Albert van Duin berichtete über digitale Bildbearbeitung astronomischer Bilder.