Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

"5. Praktischer astronomischer Samstag (PaS)" - Rückblick

Artikel vom 24.05.2007

Am 21.04.2007 fand der 5. PaS in der Sternwarte Neuenhaus statt.

Aus einem lockeren Zusammentreffen von Vereinsmitgliedern des Astronomischen Vereins der Grafschaft Bentheim e. V. hat sich in den letzten Jahren der "Praktische astronomische Samstag - PaS" entwickelt. Amateurastronomen von Bremen über Hannover bis Köln fanden auch in diesem Jahr wieder den Weg in die Grafschaft Bentheim. Wie in den Jahren zuvor, beinhaltete der Eintritt von 5 Euro wieder frei Kaffee und Tee sowie ein kleines Buffet mit Kuchen, Schnittchen und Frikadellen. Vor Beginn wurde interessierten Personen die Sternwarte Neuenhaus vorgestellt, wobei ein im Jahr 2005 von den Essenern Sternfreunden erworbenes Planetarium auf großes Interesse stieß. Nach optischer und technischer Modifizierung erweist sich dieses heute als Publikumsmagnet sowie methodisches Instrument im Bildungsbereich. Auch wurde ausgiebig über den geplanten Bau einer 3,50 m Kuppel auf der Beobachtungsterrasse in diesem Jahr gesprochen.

Gegen 12:15 Uhr eröffnete Christoph Lohuis, der als Moderator durch den Tag führte, den 5. Praktischen astronomischen Samstag. Im ersten Vortrag referierten Frank Hauswald (Bad Bentheim) und Christoph Lohuis (Neuenhaus) über das Buchprojekt "Wie sieht das Objekt im Fernrohr aus?". Ziel ist es, alle Messierobjekte zu den definierten Bedingungen "Teleskopöffnung" und "Beobachtungsbedingung" in Form einer gemittelten Abbildung darzustellen. Der Leser erfährt auf einen Blick, was ihn exemplarisch bei der visuellen Beobachtung von M42 mit einem 4,5 Zoll unter Alpenhimmel und 12 Zoll aus der Großstadt erwartet.

Christoph Jansen (Bad Zwischenahn) erläuterte Wissenswertes zu "Unsere Zeit, unser Kalender - Vermischung von Astronomie und Kulturgeschichte". Die Zuhörer erfuhren, wie Kalendersysteme entstanden und sich diese entwickelten. Auch die Himmelsscheibe von Nebra wurde thematisiert. Diese symbolisiere bildlich den Zeitpunkt, zu welchem ein "Schaltjahr" in das damalig existierende Kalendersystem eingelegt werden musste. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass unser heutiger, pragmatischer Kalender auf eine lange Kulturgeschichte mit vielen Einflüssen zurückgeht.

Jürgen Morawietz (Neuenhaus - Dwingelo) stellte die "Erdmagnetfeldbeobachtung mit Hilfe eines einfachen Magnetometers" in den Mittelpunkt. Die radioastronomische Beobachtung der Sonne steht bereits seit längerer Zeit im Fokus des Referenten. Die Messung des Erdmagnetfeldes mit Hilfe eines Magnetometers erlaubt hierbei ebenfalls Rückschlüsse auf die aktuelle Sonnenaktivität. Im Vortrag wurden Theorie und Konstruktion eines solchen Instrumentes vorgestellt, so dass Vorhersagen von Polarlichtern möglich sind.

"Schule, Bildung und Astronomie - Perspektiven der Amateurastronomie" war das Thema von Christoph Lohuis (Neuenhaus). Zu Beginn gab es einen Überblick, welche Ansatzpunkte und Ziele derzeit in der Amateurastronomie diskutiert werden. In der Folge zeigte der Referent Möglichkeiten, wie mit ehrenamtlichem Engagement, astronomische und verwandte Themen in den Unterricht integriert werden können. Es folgte eine skizzenhafte Vorstellung von derzeitigen Aktivitäten sowie Initiativen, wobei in Zukunft - im Rahmen einer adäquaten Koordination - eine verbesserte Kommunikation der Vielzahl von Aktivitäten im Fokus stehen sollte. Ziel ist es, Arbeitsmaterialien und didaktisch aufgearbeitete Konzepte, Schulen, Lehrern und astronomischen Vereinen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zuletzt wurden in diesem Zusammenhang Konzepte und praktische Aktivitäten des Astronomischen Vereins der Grafschaft Bentheim e. V. (Sternwarte Neuenhaus) vorgestellt.

Joachim Lindner (Neuenkirchen) nahm sich des Themas "Entfernungsmessung im Universum" an. Neben der Theorie bekannter Methoden zur Entfernungsmessung im Universum, dokumentierte der Referent einen zeitgeschichtlichen Abriss durch diese Entwicklungen. Bereits im Altertum bestimmten unterschiedliche Astronomen die Entfernung Erde/Mond. Parallel wurde gezeigt, wie sich dieser Wert im Laufe der Zeit dem Heutigen annäherte. Nach Bestimmung der Astronomischen Einheit konnten Distanzen zu nahen Fixsternen bis zu 1.500 Lichtjahren mittels Parallaxenbestimmung errechnet werden. Rotverschiebung, Cepheiden und Supernova vom Typ 1 A waren weitere Stichworte.

In der anschließenden Pause gab es Möglichkeiten, sich näher mit Referenten auszutauschen, eigene Ergebnisse vorzustellen und Erfahrungen zu diskutieren. Bedingt durch das gute Wetter wurde die Beobachtungsterrasse zum Ort des regen Erfahrungsaustausches. Neben Teleskopen der Sternwarte Neuenhaus stand ein 16 Zoll Lightbridge zum "Testen" zur Verfügung. Mit einem SolarScope wurde unser derzeit sonnenfleckenloses Muttergestirn beobachtet.

Im Anschluss bewegte sich Jens Bohle (Hiddenhausen) "In extragalaktischen Regionen". Die "ausgetrampelten Beobachtungswege" zu verlassen, ist Motivation vieler Amateurastronomen. Als bekannter und versierter visueller Beobachter zeigte der Referent diesbezüglich extragalaktische Kugelsternhaufen, Offene Sternhaufen und H II-Regionen. In einem kurzweiligen und interessanten Vortrag wurden Einzelobjekte vorgestellt, besprochen und teilweise mit einer Zeichnung unterlegt. Neben bekannteren extragalaktischen Objekten in M31 und M33 standen eine Vielzahl weiterer Beobachtungsvorschläge im Mittelpunkt. Es wurde nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass einige Objekte bereits in den Möglichkeiten mittelgroßer Teleskope (8 Zoll - 10 Zoll) stehen. Die Faszination der visuellen Beobachtung - zu verstehen, was sich hinter den Objekten verbirgt sowie mit eigenen Augen in die Tiefen des Universums vorzustoßen - vermittelte der Vortrag eindrucksvoll.

"Der Weg ist das Ziel" - Stationen auf dem Weg zur eigenen Sternwarte" war das Thema von Frank Hauswald. Es wurde dokumentiert, wie nach dem typischen 76 mm Newton-Einstieg im Laufe der Zeit eine immer genauere Vorstellung vom Hobby wuchs und sich dieses im benötigten Equipment widerspiegelt. Ausführlich wurde gezeigt, welche Schritte, Probleme und Lösungsvorschläge nötig waren, um das Ziel - einen 16 Zoll Newton in der eigenen Sternwarte - zu realisieren. Auf amüsante Art und Weise wurde erläutert, wie sich der Referent autodidaktisch Wissen aneignete, um einen 16 Zoll Spiegel zu schleifen, ein entsprechendes Fernrohr zu konstruieren, die passende parallaktische Montierung im Selbstbau zu erstellen und zu guter Letzt eine Sternwarte zu bauen. Letztere ist interessanterweise eine Kombination aus Rolldachhütte und Kuppel, so dass sich die Frage "Was ist sinnvoller?" erledigte.

Rolf Klemme (Nordhorn) erläuterte im Vortrag "Okulare - das wichtigste Astro-Zubehör" Interessantes zu diesem wichtigen Zubehör der Amateurastronomen. Der Referent zeigte sehr anschaulich, warum Personen ganz unterschiedliche Ansprüche an Okulare stellen und somit es nicht "DAS" Okular gibt. Hierbei bleibt der wichtigste Tipp - vor dem Kauf unbedingt unterschiedliche Okulare in der Praxis testen. Des weiteren ging der Referent auf theoretische Aspekte - wie Augenabstand, Aufbau, wahres und scheinbares Gesichtsfeld, u. w.- von Okularmerkmalen ein. Hierzu hatten die Besucher die Möglichkeit, Okulartypen unterschiedlichster Bauweise mit einer Brennweite von 6 mm zu begutachten.

Im letzten Vortrag des 5. PaS nahm sich Rüdiger Maaß (Raesfeld) "Fernoptiken unter fotografischen und visuellen Gesichtspunkten betrachtet" an und referierte sowie diskutierte über individuelle Vor- und Nachteile verschiedener Optiktypen.

Bedingt durch interessante Diskussionen und den Austausch von Erfahrungen verzögerte sich das Ende der Vortragsreihe in bekannter "Wetten Dass" - Manier um eine Stunde. Eine Vielzahl Besucher blieb im Anschluss dennoch für eine längere Zeit vor Ort, um begonnene Diskussionen weiter fortzuführen. Gegen 20:00 Uhr nahm der 5. PaS sein offizielles Ende und Gespräche wurden bei einem Bier in gemütlicher Runde fortgeführt. Der 6. PaS wird im April 2008 stattfinden, wozu bereits an dieser Stelle potentielle Referenten recht herzlich eingeladen sind. Der genaue Termin wird im Laufe dieses Jahres festgelegt, um Überschneidungen mit weiteren, astronomischen Veranstaltungen zu vermeiden.

Christoph Lohuis
Christoph Lohuis führte durch das Programm.
Frank Hauswald
Frank Hauswald präsentierte "Der Weg ist das Ziel" - Stationen auf dem Weg zur eigenen Sternwarte" und berichtete mit Christoph Lohuis über das Buchprojekt "Wie sieht das Objekt im Fernrohr aus?"
Christoph Jansen
Christoph Jansen erläuterte Wissenswertes zu "Unsere Zeit, unser Kalender - Vermischung von Astronomie und Kulturgeschichte".
Jürgen Morawietz
Jürgen Morawietz berichtete über die "Erdmagnetfeldbeobachtung mit Hilfe eines einfachen Magnetometers"
Christoph Lohuis
Christoph Lohuis referierte über "Schule, Bildung und Astronomie - Perspektiven der Amateurastronomie".
Joachim Lindner
Joachim Lindner sprach über die "Entfernungsmessung im Universum".
Pause
Pause auf der Beobachtungsterrasse
Jens Bohle
Jens Bohle bewegte sich "In extragalaktischen Regionen".
Rolf Klemme
Rolf Klemme hielt den Vortrag "Okulare - das wichtigste Astro-Zubehör".
Rüdiger Maaß
Rüdiger Maaß hat in seinem Beitrag "Fernoptiken unter fotografischen und visuellen Gesichtspunkten betrachtet".