Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Astrofotografie

Artikel vom 01.12.1998

Dieser Artikel beschreibt einen einfachen Einstieg in die Astrofotografie.

Wer hat nicht schon einmal die farbenprächtigen Bilder von weit entfernten Nebeln und Galaxien oder der kraterübersäten Mondoberfläche bewundert? Man gerät schnell ins Schwärmen und kommt in Versuchung, diese Wunder des Universums selber auf Papier, Dia oder Festplatte zu bannen. Der folgende Aufsatz soll besonders Anfängern Mut machen, sich auf dieses interessante Terrain der Astronomie zu wagen, denn man muß nicht unbedingt David Malin heißen oder gerade das Hubble Space Telescope mieten, um akzeptable Ergebnisse zu erzielen.

Die wohl beiden leichtesten Alternativen sich der Astrofotografie zu nähern, sind die sogenannten Strichspuraufnahmen und Sternfeldfotografien. Für beide Arten benötigt man nicht mehr, als eine Spiegelreflexkamera mit Langzeitauslöser, einen Drahtauslöser (für ca. 8 ¤ zu erwerben) und ein stabiles Stativ, um die Kamera zu montieren. Bei den sogenannten Strichspuraufnahmen macht man sich die Rotation der Erde zunutze, welche es ansonsten auszuschalten gilt, um Langzeitphotografien erzielen zu können. Ein kurzbrennweitiges Objektiv ermöglicht es, einen großen Himmelsabschnitt festzuhalten, was der Ästhetik des Bildes zugute kommt. Ansonsten ist dem Fotografen freie Hand gelassen. Ob er Alpha Ursa Minoris (Polarstern) anvisiert und die anscheinende Drehung der Sterne um diesen darstellt (Bild 1) oder den Auf- bzw. Untergang der Gestirne fotografiert, ist jedem Geschmack selbst überlassen. Zum Schluß sei noch erwähnt, dass ein innovativer Vordergrund den Reiz eines solchen Bildes noch verstärken kann und wer den Kreisbogen der Sterne besonders darstellen möchte, sollte seine Belichtungszeit nicht unter eine Stunde wählen.

Mit dem zuvor genannten Equipment lassen sich auch Sternfeldaufnahmen zu Papier bringen (Bild 2). Je nach Flächenmaß des Sternbildes muß der Hobbyastronom die Brennweite des Objektives wählen, wobei in den meisten Fällen ein 50 mm das nützlichste sein dürfte. Besonders bei dieser Aufnahmetechnik ist eine hohe Empfindlichkeit des Filmes zu empfehlen, da während der relativ kurzen Belichtungszeit (je nach Objektiv 10 bis 40 Sekunden) möglichst viele Sterne festgehalten werden sollen. Jeder Fotograf muß mit den Belichtungszeiten experimentieren, um einen gesunden Kompromiß zwischen Länge der Belichtung und der Verzeichnung der Gestirne zu finden. Als Maßstab soll nur vorgegeben werden, je länger die Brennweite, je kürzer die Belichtungszeit. Wer mit zuvor genannten Equipment fotografiert, wird schon nach etwa 10 Sekunden Belichtungszeit Sterne der 8. Größenklasse auf seinem Negativ wiederfinden. Mit diesen Ergebnissen kann sich der Interessierte z. B. einen eigenen Sternbilderatlas zusammenstellen oder wie im Jahre 1997 Hale-Bopp auf Papier bannen (Bild 3).

Im folgenden Schritt möchte ich die Fotografie durchs Teleskop vorstellen, wobei zwischen dem Primärfokus und der Okularprojektion differenziert werden muß. Im Primärfokus wird das Teleskop als "Super Teleobjektiv" eingesetzt. Die Brennweite des Teleskopes bestimmt in diesem Fall die spätere Vergrößerung. Mit einer Brennweite von f=2.000 mm läßt sich der Mond oder die Sonne bildfüllend auf ein 24 mm * 36 mm Negativ festhalten, was zu äußerst interessanten Motiven führen kann (Bilder 4 und 5). Auch können mit dieser Methode andere Objekte fotografiert werden, sofern es auf ein relativ großes Gesichtsfeld ankommt.

Bei der sogenannten Okularprojektion wird zwischen Teleskop und Kamera noch ein Okular zwischengeschaltet, was die effektive Brennweite vergrößert. Die Vergrößerung errechnet sich in diesem Fall aber nicht nur durch die Brennweite des Okulares, sondern ebenfalls durch den Abstand des Okulares zur Filmebene, welche mit der Größe des Adapters, zur Haltung des Okulares, variiert werden kann. Weiterhin wird mit steigender Vergrößerung die Stabilität der Montierung, sowie die absolut korekte Nachführung, ein unerlässliches muß. Zwei Beispiele hierfür stellen die Bilder von Jupiter und Saturn dar (Bilder 6 und 7), welche in einem 400 mm Newton mit f=2.000 mm und einem 12 mm Okular gewonnen wurden. Beide Aufnahmen unterliegen keiner Computerbearbeitung, sondern wurden lediglich im eigenen Fotolabor entwickelt und abgezogen.

Dieses war lediglich ein winzig kleiner Anriss aus dem Gebiet der Astrofotografie und soll dem Anfänger einige Möglichkeiten aufzeigen, sich dieser Art der Fotografie zu nähern. In folgenden Berichten werde ich dann differenzierter auf die einzelnen Themengebiete eingehen, um Möglichkeiten und Probleme genauer zu beleuchten.

Sternspuren
Sternspuren um den Polarstern
Sternfeldaufnahme
Sternfeldaufnahme des Großen Wagens
Hale-Bopp
Der Komet Hale-Bopp
Erdmond
Der Erdmond
Sonne
Die Sonne
Jupiter
Der Planet Jupiter
Saturn
Der Planet Saturn
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de