Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Dreierlei vom Vollmond

Artikel vom 29.01.2018

Die Schlagzeilen im Internet überschlagen sich bereits. Am kommenden Mittwoch vereinigen sich Supermond, blue moon und eine Mondfinsternis an einem Tag. Stellt sich die Frage, was verbirgt sich hinter diesen drei Ereignissen und ist die Konstellation so besonders, wie viele Berichte glauben machen.

In der englischen Sprache gibt es die Phrase Once in a blue moon, was übersetzt soviel bedeutet, dass etwas sehr selten vorkommt. In der Astronomie kommt ein blue moon alle zweieinhalb Jahre vor, zumindest durchschnittlich. In diesem Jahr kann aber bereits im März der nächste blue moon bewundert werden und der Februar verwaist, zumindest was den Vollmond betrifft. Von einem blue moon wird gesprochen, wenn innerhalb eines Monates zwei Vollmonde auftreten. Da der Zeitraum von Vollmond zu Vollmond etwa 29,5 Tage beträgt, findet in den meisten Fällen nur ein Vollmond pro Monat statt. Letztlich handelt es sich um ein kalendarisches Ereignis, so dass es am Himmel keine Besonderheiten zu sehen gibt.

Vom Wortlaut dramatisch wirft der Supermond seine Schatten voraus. Ohne jegliche Dramatik wäre sachlich die Bezeichnung Vollmond im Perigäum treffend. Unser Trabant umrundet die Erde auf einer elliptischen Umlaufbahn, umgangsprachlich könnte auch von einer eierförmigen Bahn gesprochen werden. Während eines Umlaufs um die Erde ist die Entfernung des Mondes einmal größer und einmal geringer. Das Resultat, der scheinbare Durchmesser des Mondes variiert ein wenig. In Erdnähe erscheint uns dieser etwas größer, in Erdferne etwas kleiner. Dieses Phänomen kennt jeder. Steht ein Besucher Kölns auf der Domplatte, wirkt der sakrale Bau riesig. Wird der Dom auf der Rückfahrt von Köln in die Grafschaft Bentheim von der Autobahn betrachtet, erscheint dieser sehr klein am Horizont. Nicht der Kölner Dom ist geschrumpft, das wäre für die Besucher im Inneren ungünstig, sondern lediglich die scheinbare Größe hat sich verändert. In Erdnähe erscheint der Mond etwa 15% größer. Dem Gelegenheitsbeobachter wird dieser Unterschied mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auffallen, denn der Unterschied entspricht etwas dem einer 1 Euro zu einer 2 Euro Münze, die am ausgestreckten Arm gegen den Himmel gehalten werden. Viele Fotografien suggerieren einen riesigen Mond, wobei dieser Eindruck lediglich durch eine höhere Vergrößerung resultiert. Auch wirkt der Mond am Horizont größer, was wenig mit einem Supermond gemein hat, sondern unser Gehirn lediglich einer Sinnestäuschung unterliegt. Das eigentlich spannende Himmelsereignis ist die totale Mondfinsternis. Hierbei schiebt sich die Erde exakt zwischen Sonne und Mond, so dass der Vollmond kein Licht mehr von der Sonne erhält, da dieser nach und nach in den Schatten der Erde gerät, ein faszinierendes Himmelsereignis. Besonders wenn der Mond vollständig im Erdschatten liegt und je nach Beschaffenheit der Erdatmosphäre fast vollständig verdunkelt ist oder tiefrot am Himmel steht, kommt eine mystische Stimmung auf. Leider bleibt uns Mitteleuropäern die kommende Mondfinsternis verborgen. Eine Chance in der Grafschaft Bentheim haben wir in diesem Jahr vom 27. auf den 28. Juli. In einer hoffentlich klaren Sommernacht kann das Schauspiel zu Teilen verfolgt werden. Aus diesem Anlass bietet die Sternwarte Neuenhaus am Mittwoch, den 25. Juli den Themenabend Wenn sich der Mond verfinstert an; um eine Voranmeldung wird gebeten. Häufig findet sich in den Medien auch der Begriff des Blutmondes. Während einer totalen Mondfinsternis oder wenn sich der Mond sehr nahe am Horizont befindet, erscheint dieser teilweise in einem blutroten Farbton. Die Ursache liegt schlicht und ergreifend in unserer irdischen Atmosphäre begründet. Festzuhalten bleibt, dass es am kommenden Mittwoch eigentlich nichts Auffälliges am Firmament zu sehen gibt. Das diese drei Ereignisse parallel am kommenden Mittwoch geschehen, unterliegt schon einer gewissen Seltenheit und kommt in dieser Form erst wieder am 31. Januar 2037 vor. Es stellt sich die Frage, ob es nicht in den nächsten 19 Jahren auch eine fleißige Person gibt, welche die GN austeilt, zu Fuß unterwegs ist, die Zeitung in einen Briefkasten mit der Hausnummer 5 wirft und in deren Namen ein N vorkommt. Konstruiert kann bekanntlich Vieles werden. Unabhängig des medialen Hypes und der syntaktischen Dramatik, kann dieser Abend wunderbar genutzt werden, um sich warm anzuziehen, mit dem Partner seiner Wahl in den Garten zu gehen und bei einem guten Glas Wein den wunderschönen Vollmond unterm gestirnten Himmel zu genießen. Hierbei lässt es sich wunderbar entspannen oder es beseelt einen der Gedanke, dass letztlich unsere gesamte Welt unter eben diesem Sternenhimmel sich vereint.

Scheinbare Größe des Mondes (Supermond)
Scheinbare Größe des Mondes (Supermond)
Scheinbare Größe des Mondes (normaler Mond)
Scheinbare Größe des Mondes (normaler Mond)
Mondfinsternis über Neuenhaus
Mondfinsternis über Neuenhaus
Mondgestein in der Ausstellung
In der Ausstellung der Sternwarte wird echtes Mondgestein präsentiert.
Bild: © AVGB
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

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