Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Ein kleiner Einstieg in die Welt der Astrofotografie, Teil 2

Artikel vom 01.11.2000

Zweiter Teil von zwei Artikeln über einen einfachen Einstieg in die Astrofotografie mit leicht verständlicher Theorie und vielen Tipps.

Was ist eigentlich Piggyback?

Die Definition "Piggyback" ist mit Sicherheit jedem Amateurastronom schon einmal zu Ohren gekommen. Doch was bedeutet sie eigentlich und welchen Teil der Amateurastronomie betrifft sie?

Piggyback bedeutet soviel wie huckepack tragen, was der Bezeichnung für unseren nächsten Schritt im Themengebiet Astrofotografie sehr nahe kommt. Wie wir schon kennengelernt haben, ist der Belichtungszeit ein Limit gesetzt, wo sich Sterne und Objekte durch die Erdrotation verzeichnen. Sollen Sternfelder oder Objekte über eine längere Zeit fotografiert werden, muss die Drehung der Erde kompensiert werden. Eine Alternative stellt die Befestigung der Spiegelreflexkamera am oder auf dem Teleskop da, welches als Nachführeinheit- und kontrolle dienen kann. Der Vorteil bei der Fotografie mit kurzbrennweitigen Objektiven besteht im großem Gesichtsfeld, welches von der verwendeten Objektivbrennweite begrenzt wird. Die Anwendungsgebiete erstrecken sich über ein großes Spektrum von unterschiedlichsten Objekten. So wurde z. B. der Komet Hale-Bopp auf vielen Bildern im Rahmen der Piggypackfotografie festgehalten. Auch die Sternfeldfotografie ist ein Steckenpferd dieser Fotografieart, die seinen Meister in Eckard Slawik gefunden hat. Ausgedehnte Objekte wie Bernhards Loop im Orion oder der Nordamerikanebel, sind prädestiniert für das Piggyback-Verfahren.

Doch nun Schritt für Schritt. Als erstes muss die Kamera am Teleskop befestigt werden. Eine sinnvolle Lösung dieses Problemes bieten viele Rohschellen, die einen Kameraanschluss integriert haben. Besteht eine solche Vorrichtung nicht, ist an dieser Stelle die Phantasie und das Bastlergeschick des Amateurastronomen gefragt. Es ist darauf zu achten, dass keine Gegenstände oder Teile des Tubus, in das Bildfeld der Kamera ragen und somit den Himmel verdecken. Weiterhin ist es wichtig, dass die Montierung genau justiert ist. Auch wenn die Brennweiten von Objektiven relativ kurz sind (28 mm - 500 mm), stellt sich bei einer ungenauen Justierung die so genannte Bildfelddrehung ein, welche nicht vergrößerungsabhängig ist.

Vor jeder Fotografie muss das Teleskop genau ausbalanciert werden, da es während der Belichtungszeit zu unterschiedlichen Belastungen des Nachführmotors kommt und das Ergebnis somit negativ beeinflußt werden kann. Eine stabile Befestigung der Kamera am Teleskop/Montierung ist besonders dann wichtig, wenn sich das Objekt weitab vom Meridian befindet und eine besonders große Last auf dem Verbindungsstück Kamera/Montierung, sowie dem Nachführmotor liegt. Bei einem Objektivwechsel, sollte somit immer eine Modifikation der Ausbalancierung vorgenommen werden. Das einzusetzende Objektiv muss dem zu fotografierenden Objekt individuell angepasst werden. Im folgenden sind vier Objektivbrennweiten aufgelistet, die einen kleinen Überblick verschaffen sollen, wie groß der fotografierte Himmelsabschnitt ist:

Brennweiten und Himmelsabschnitte
BrennweiteHimmelsabschnitt
1.f = 28 mm50 * 70
2.f = 50 mm28 * 42
3.f = 135 mm10 * 15
4.f = 240 mm6 * 9

An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass die Nachführgenauigkeit bei kürzeren Brennweiten etwas mehr vernachlässigt werden kann als bei längeren. Selbstverständlich ist aber in allen Fällen eine präzise Nachführung wünschenswert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Aufsuchen eines geeigneten Leitsternes zur Nachführkontrolle. Dieser sollte unmittelbar im Bereich des zu fotografierenden Objektes liegen, da es u.U zu Nachführfehlern kommen kann. Die Nachführkontrolle sollte, falls vorhanden, mit einem so genannte Fadenkreuzokular vorgenommen werden, um eine exakte Nachführung zu gewährleisten. Fadenkreuzokulare werden in einer Vielzahl von Ausführungen produziert, die sich in Modifikationen der Fadenkreuze und evtl. vorhandener Skalen, im Gesichtfeld des Okulares, unterscheiden. Für unsere Zwecke reicht hingegen ein einfaches Fadenkreuzokular, welches im günstigsten Fall zwei parallele Fadenkreuze besitzen sollte. Die vorhandene Beleuchtung sollte in ihrer Intensität variiert werden können, um so auf die unterschiedlichen Magnituden der Leitsterne eingehen zu können.

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und das Objekt ausgewählt, steht der Fotograf vor einem weiteren Problem, welches nicht von Anfang an offensichtlich ist. Schon bei feststehender Kamera und kurzen Belichtungszeiten, spielt bekanntlich das Streulicht eine große Rolle. Werden die Belichtungszeiten über Minuten bis hin zu einer halben Stunde ausgedehnt, verliert das fotografierte Objekt stark an Kontrast oder wird, im negativsten Fall, ganz vom Streulicht überlagert. Welche Möglichkeiten bieten sich nun dem Amateurastronomen, um diese Problematik zu beseitigen? Zum einen sollten Beobachtungsplätze so ausgewählt werden, dass wenig Streulicht vorhanden ist. Bei uns in Mitteleuropa ist ein solcher Platz aber leider so gut wie nicht auszumachen. Aus diesem Grund sollten für einen bestimmten Ort Strichspuraufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten angefertigt werden, welche alle Himmelsrichtungen aufzeigen. Aus den so gewonnenen Bildern kann der Fotograf die maximale Belichtungszeit definieren, bevor das Foto durch Streulicht überbelichtet erscheint und Objekte nicht mehr erkannt werden können.

Ein weiteres Hilfssmittel stellt uns die Technik zur Verfügung. Der Gebrauch von Nebelfilter verlängert zwar die Belichtungszeit, stellt aber in vielen Situationen eine große Hilfe da, um störendes Licht von der Filmemulsion fernzuhalten. Die einzelnen Filtertypen sollen aber in einem folgenden Bericht erläutert werden.

Mit etwas Übung und ein wenig Geschick können so in kürzester Zeit wunderschöne und eindrucksvolle Bilder gewonnen werden.

Im dritten Teil meiner Serie über das Themengebiet Astrofotografie, werde ich die Fokal- und Okularprojektionsfotografie erklären, indem das eigene Teleskop als Riesen-Teleobjektiv verwendet wird.

Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Fotografieren.

Komet Hale-Bopp
Der Komet Hale-Bopp
Sternbild Orion
Das Sternbild Orion
 

Autor

Christoph Lohuis ist 1. Vorsitzender des Astronomischen Vereins. Neben der Vorstandsarbeit schreibt er Berichte für Zeitungen und unsere Homepage.

E-Mail:   c.lohuis@avgb.de
 

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