Astronomischer Verein der Grafschaft Bentheim e.V.

Wissenswertes in aller Kürze für den Einstieg mit dem ersten Teleskop

Artikel vom 08.01.2005

Informationen zu einem guten Start mit dem neuen Teleskop, Grundwissen und Beobachtungstipps

Der folgende Text enthält Zusammenfassungen von Themen, die in einem Kursus vermittelt wurden.

Wie bereits im Kurs erwähnt, kann die folgende Zusammenstellung nur als erste Richtlinie verstanden werden und dient als Grundlage für weiterführende Literatur. Neben aller Theorie ist die praktische Beobachtung von großer Bedeutung, denn auch in der Astronomie gilt, dass Übung im Laufe der Zeit den Meister macht. Aus diesem Grund nochmals die Einladung, bei Fragen und Problemen mit uns Kontakt aufzunehmen:

Telefon: 05941/990904
E-Mail: info@avgb.de

Darüber hinaus können Sie uns jeden Mittwoch ab 20:00 Uhr sowie jeden ersten Montag im Monat ab 20:00 Uhr (Vereinsabend) in der Sternwarte Neuenhaus besuchen. Vor Ort können Schwierigkeiten bei der Handhabung des Fernrohrs beseitigt werden und bei gutem Wetter steht die Beobachtung im Vordergrund.

An dieser Stelle sind nochmals die wichtigsten Aspekte des Kurses zusammengestellt. Wie beschrieben sind alle Tipps nur pauschale Anhaltswerte und nicht allgemeingültig zu verstehen - für die ersten Beobachtungen sind die erwähnten Informationen aber völlig ausreichend. Bedingt durch das weite Feld der Amateurastronomie konnten im Seminar lediglich die wichtigsten Aspekte angeschnitten werden, die einen ersten Überblick zum Thema Astronomie und Fernrohr erlauben.

Alle Theorie ist grau und somit ist das Kennenlernen der Sternbilder und der Umgang mit dem Fernrohr durch Übung zu erreichen. Hierbei sollten zu Beginn die "richtigen" Sternbilder und Objekte aufgesucht werden, um nicht den Überblick zu verlieren. Mit dieser Vorgehensweise sind bereits in kurzer Zeit eine Reihe von himmlischen Konstellationen zu identifizieren Aus diesem Grund bieten wir zum vertiefenden Kurs an weiteren Abenden praktische Übungen zur richtigen Handhabung des Teleskops an.

Welche Teleskope gibt es?

Das Linsenteleskop (Refraktor)

Vorteil:

  • nicht obstruiert (keine Gegenstände im Strahlengang), dadurch hoher Kontrast und gute Auflösung

Nachteile:

  • Farbfehler, sofern keine teure Spezialoptik (Apochromat) verwandt wird
  • im Verhältnis zu Spiegeln sehr teuer
     

Das Spiegelteleskop (Reflektor)

Vorteil:

  • preiswerte Herstellung großer Spiegel möglich, dadurch hohes Lichtsammelvermögen, gute Auflösung

Nachteil:

  • obstruierter Strahlengang

Fernrohre besitzen die Aufgabe, Licht zu sammeln - je größer die Öffnung des Fernrohres, desto größer ist das Lichtsammelvermögen des Instrumentes.
Auch sollte sich der Käufer nicht von bunten Bildern und hohen Vergrößerungen "blenden" lassen.

Aufbau des Teleskops

  1. Die Polhöhe der Montierung sollte auf den entsprechenden Breitengrad eingestellt werden. Für die Grafschaft Bentheim beträgt dieser Wert 52° Nord.

  2. Das Teleskop sollte im Idealfall in Nord-Südrichtung aufgebaut sein.

  3. Ein windgeschützter Beobachtungsplatz reduziert Erschütterungen.

  4. Die Stativbeine sollten möglichst weit gespreizt und nicht vollständig ausgezogen sein. Beschweren Sie das Stativ (z. B. mit einem Stein) und stellen dieses auf einen Untergrund, auf dem die Stativbeine nicht rutschen.

Justierung des Suchers

  1. Im Teleskop wird ein fernes Gebäude eingestellt (z. B. Kirchturmspitze).

  2. Im Sucherfernrohr sollte die Kirchturmspitze mittig des Fadenkreuzes platziert sein.

  3. Ist dieses nicht der Fall, kann das Sucherfernrohr über kleine Schrauben bewegt werden. Das Fadenkreuz muss mit der Kirchturmspitze in Deckung gebracht werden.

Benutzen Sie zum Aufsuchen eines Objektes zuerst das justierte Sucherfernrohr und im Anschluss schauen Sie durch das Okular.

Nähere Beschreibungen zum Aufbau, und zum Teleskop allgemein, finden sich im "NightSky - Einsteiger-Spezial" auf den Seiten 27-34. Dieser Artikel kann parallel unter "www.nightsky-online.de" im Archiv nachgelesen werden (Ausgabe NightSky 2/2003 - "Das Lidl-Scope").

Vergrößerung und Okulare

Einige Werbeprospekte "blenden" den Käufer mit utopischen Vergrößerungen und bunten Bildern. Grundsätzlich gilt, dass fast alle astronomischen Objekte in schwarz/weiß beobachtet werden. Schuld ist nicht Ihr Teleskop, sondern der Grund ist in der Physiologie des menschlichen Auges zu finden. Auch hohe Vergrößerungsangaben dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass die wichtigste Eigenschaft eines Teleskops das Sammeln von Licht ist. Bei der Beobachtung sollten Sie immer mit der kleinsten Vergrößerung beginnen.

  • Okulare können vereinfacht ausgedrückt als Lupen bezeichnet werden.
  • Berechnung der Vergrößerung:

    Brennweite der Optik in mm : Brennweite des Okulars in mm = Vergrößerung
    Beispiel 1.000 mm : 10 mm = 100fache Vergrößerung

    Die Brennweitenangaben sind meistens auf dem Teleskop und Okular aufgedruckt.

  • Sinnvolle Vergrößerungen:

    1. Maximal sinnvolle Vergrößerung
      Die Öffnung der Optik in Millimeter wird verdoppelt.
      Beispiel: 114 mm Newton = 228fache Vergrößerung
       
    2. Minimal sinnvolle Vergrößerung
      Öffnung der Optik in Millimeter dividiert durch 7
      Beispiel: 70 mm : 7 = 10fache Vergrößerung
  • Was passiert mit steigender Vergrößerung?

    • Das Bild wird dunkler.
    • Details werden "unschärfer".
    • Erschütterungen am Teleskop machen sich schneller bemerkbar.

Das Vergrößern ist dennoch sinnvoll, da astronomische Objekte eine bestimmte Größe besitzen müssen, um vom Auge überhaupt erkannt zu werden - die Vergrößerung ist somit immer ein Kompromiss.

Fernrohre besitzen die Aufgabe, Licht zu sammeln - je größer die Öffnung des Fernrohres, desto größer ist das Lichtsammelvermögen des Instrumentes.

Sternbilder zum Kennenlernen des Firmamentes

Sternbilder zum Kennenlernen des Firmamentes
Jahreszeit Sternbild
Winter Orion, Großer Hund, Kleiner Hund, Zwillinge, Fuhrmann und Stier
Frühjahr Löwe, Bootes und Herkules
Sommer Schwan, Leier
Herbst Andromeda, Pegasus
Zirkumpolar Großer Bär, Kleiner Bär und Cassiopeia

Astronomische Objekte für den Einstieg

Das Auffinden astronomischer Objekte bedarf Übung und Zeit. Besonders lichtschwache Objekte sind schwer zu beobachten. Aus diesem Grund empfehlen sich einige Standardobjekte, welche partiell mit dem bloßen Auge (unter guten Beobachtungsbedingungen) zu erkennen sind

Dennoch muss nochmals darauf verwiesen werden, dass im Fernrohr kein buntes und detailliertes Bild zu erwarten ist. Die Faszination liegt in der Natur des Objektes. Der Große Orionebel (M42) repräsentiert ein Sternentstehungsgebiet. Sie schauen live in einen Kreisssaal von Sternen! Die Andromedagalaxie (M31) ist eine entfernte Galaxie mit Milliarden von Sternen. Ihre Distanz erstreckt sich über unvorstellbar großen Raum. Das Licht benötigt von dieser Galaxie über 2 Millionen Jahre bis zur Erde.

Beobachtungsvorschläge für den Einstieg
Jahreszeit Objekte Sternbild
Winter Großer Orionnebel (M42) Orion
Plejaden (M45) Stier
Hyaden (günstig mit Feldstecher) Stier
Frühjahr M13 Herkules
Mizar und Alcor Großer Bär
M44 Krebs
Sommer Albireo Schwan
Ringnebel (M57) Leier
Herbst Andromeda-Galaxie (M31) Andromeda
h und chi (NGC 869 / NGC 884) Perseus

Wer sich an weiteren Objekten versuchen möchte, dem sei folgende Auflistung empfohlen. Es Bedarf Übung, eine gute Vorbereitung (Literatur) sowie ein dunkler Himmel, um diese Objekte zu erkennen - dieses gilt besonders für M1 und M33. M8 und M20 stehen am sommerlichen Sternenhimmel horizontnah, was die Beobachtung erschwert.

Beobachtungsvorschläge mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad
Jahreszeit Objekte Sternbild
Winter M36, M37 und M38 Fuhrmann
M35 Zwillinge
Krabbennebel (M1) Stier
Frühjahr M81 und M82 großer Bär
M51 Jagdhunde
Sommer Hantelnebel (M27) Füchslein
Lagunennebel (M8) Schütze
Trifidnebel (M20) Schütze
Herbst Triangulum-Galaxie (M33) Andromeda

Für unser Sonnensystem sind neben dem Mond die Planeten Saturn und Jupiter zu erwähnen. Nochmals der Hinweis - beobachten Sie niemals die Sonne (Erblindungsgefahr!).

Literaturtipps

Im Besonderen Tipps zur Literatur sind als subjektiv zu verstehen. Die folgende Auflistung zeigt aber sinnvolle Bücher zum "ambitionierten" Einstieg. Es muss aber Berücksichtigung finden, dass diese Liste nur eine kleine Auswahl aus dem großen Büchersortiment darstellen kann.

  1. "NightSky - Einsteiger Spezial"; NightSky e. V.; Neuenhaus
    Kurzinfo: "Nightsky" ist eine Zeitschrift von und für Amateurastronomen.

  2. Stoyan, Ronald; Fernrohrführerschein in vier Schritten; ISBN 3-938469-00-5, Oculum-Verlag, Erlangen
    Kurzinformation: Das Buch beschreibt in vier Schritten den richtigen Umgang mit dem Fernrohr.

  3. Keller, Hans-Ulrich; Kosmos Himmelsjahr, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
    Kurzinformation: "Jahrbücher" beschreiben die wichtigsten Ereignisse und Planetenstellungen im Jahr.

  4. Rükl. A.; Mondatlas, Verlag Werner Drausien, Hanau
    Kurzinformation: Der Mond stellt ein leichtes Objekt für erste Beobachtungen dar. Der Mondatlas von Rükl beschreibt die vielen Krater und Berge auf der Oberfläche unseres Trabanten.

  5. Karkoschka, Erich; Atlas für Himmelsbeobachter; ISBN 3-440-07488-9, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
    Kurzinformation: In diesem Atlas sind die wichtigsten Objekte zusammengestellt und können über Übersichts- und Detailkarten ("starhopping") aufgefunden werden.

Eine nähere Vorstellung dieser und weiterer Bücher finden Sie ebenfalls unter "www.nightsky-online.de". Archiv - Ausgabe 1/2005: "Teleskope, Okulare und was noch?"

Weiterhin bietet sich die "Drehbare Sternenkarte" an. Dami kann der Sternenhimmel zu jedem Termin und Uhrzeit eingestellt werden. Ein Muss für das Kennenlernen des gestirnten Himmels.

Erklärung eines Teleskops
Erklärung eines Teleskops